You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Liebe Freunde!
Nach Erhalt der beiden Briefe von London und Berlin nehmen wir die Berichterstattung auf.
Über das größte Ereignis der Ferien, den Kongreß in Homburg, bin ich von verschiedenen Seiten genau unterrichtet worden. Mehrere der Vortragenden haben mir auch eine Abschrift ihrer Vorträge zugeschickt. Die Eindrücke von dieser Versammlung scheinen vorwiegend günstig gewesen zu sein. Ich muß mich nachträglich bei der Kongreßleitung bedanken, daß sie mit der Verlesung meines Aufsatzes eröffnet hat.2 Ich will nur sagen, daß die amerikanische Beteiligung mir weniger imponiert hat als vielleicht anderen, da ich den geringen Wert der Herren als Personen und als Mitglieder einer Vereinigung kenne.
Die peinliche Folge des Kongresses, das Aufflackern der Erkrankung bei unserem Präsidenten, scheint ja jetzt glücklich überwunden. Wir geben beide unserer Freude darüber Ausdruck. Ich persönlich will Abraham gerne zugestehen, daß sein Konsiliarius Fließ ein ganz hervorragender Arzt ist. Aber wenn er berichtet, daß er sich teilnahmsvoll nach meinem Zustand erkundigt hat, so muß ich sagen, diese Sympathiebezeugung nach zwanzig Jahren läßt mich ziemlich kalt. Unsere große Freundschaft ging daran zugrunde, daß er ein latenter Paranoiker ist.
Leider muß ich auch bekennen, daß mir die Filmangelegenheit einen üblen Geschmack hinterlassen hat. Ich finde, unsere Berliner Freunde haben ein Maß von Schroffheit gezeigt, das sie in ihren harten Urteilen über die betreffenden Personen fortsetzen und das ich nicht rechtfertigen kann.
Ich kenne die beiden Wiener ziemlich gut, habe eine bessere Meinung von ihnen und kann die Nachrichten aus Berlin über die Entlarvung ihres »Bluffs« nicht glaubwürdig finden. Wenn das Material dafür von der Ufa stammt, so werden meine Zweifel zur Sicherheit. Es ist mir übrigens als
Maschinenschriftlicher Brief.
Anna Freud hatte den Vortrag ihres Vaters über »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«verlesen« verlesen, vgl. Freud (1925j).