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Liebe Freunde,
der Wiener Anteil des Komitees befindet sich seit dem 5. d. M. behaglich untergebracht und luxuriös verpflegt im Wiener Cottage-Sanatorium2 und zwar bringe ich den ganzen Tag hier zu, während meine Tochter zur Besorgung ihrer Praxis über mehrere Stunden in die Berggasse fährt. Ich bin hier insoferne tätig, als ich noch drei meiner schwereren Fälle regelmäßig herauskommen lasse, die anderen sind beurlaubt. Nach dem Zeugnis der Ärzte geht es mir ausgezeichnet und immer besser, so daß mir mitgeteilt wurde, daß ich noch etwa 14 Tage hier zu verweilen habe. Man rät mir, den Aufenthalt etwa so aufzufassen wie eine Reise an die Riviera, die in meinen Jahren gerade jetzt angezeigt wäre, aber doch unterbleiben muß, weil ich technisch an Wien3 gebunden bin. Unter diesen Umständen habe ich wenig von allgemeinem Interesse zu berichten. Den regsten Briefverkehr unterhalte ich noch mit Paris, wohin meine zuletzt gewonnene Anhängerin, die Prinzessin, jetzt zurückgekehrt ist. Sie hat mir ausführlich über die Vorgänge in der von Laforgue gegründeten französischen Gruppe berichtet und wird hoffentlich viel dazu beitragen, die Leute dort auf dem richtigen Weg zu erhalten. Es wird dort der Plan erwogen, die Kleinen Schriften vollständig zu übersetzen4, wie es von der Press geschehen ist.
Mit herzlichen Grüßen allerseits
Freud Anna Freud