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Liebe Freunde:
Ich danke für die Rundbriefe und setze meinen Bericht fort.
Von den Psychologen in Amerika ist Dr. Watson2, der Behaviourist, wohl der rührigste. In der »New School f. Social research«, wo auch ich vortrage, hielt er eine Serie von Vorträgen über seine Lehre, die im wesentlichen in der Anwendung von Pawlows Experimenten über bedingte Reflexe auf menschliches »Gehaben« überhaupt besteht. In voller Verkennung der Kompliziertheit des »Gehabens« (das ist wohl die beste Übersetzung des Wortes Behaviourism) und ohne den geringsten Sinn fürs Historische, dazu bei voller Verleugnung der Bedeutsamkeit [der] Heredität, glaubt er mit Hilfe einfachster Experimente, die er an Tieren, Neugeborenen und Kindern ausführte, das ganze Problem des Psychischen theoretisch gelöst zu haben. Ja er hält sich für berufen, auch in prophylaktischer Hinsicht alle Psychologie, natürlich auch die Psychoanalyse, ersetzen zu können. In Wirklichkeit verwertet er unbewußt – oder unter Verkennung der Quellen seines Wissens – das Wissen, das er aus analytischen Quellen holte, in seinen behaviouristischen Experimenten. Nach Beendigung seines Lehrkurses veranstaltete er eine Diskussion in der Schule, zu der er Adolf Meyer (J. Hopkins Univ., William A. White3 (Washington), Dr. Edw. Kempf (New York), Jelliffe und Blumgart einlud. Meyers Vortrag, den ich in N. Y. las, ist der konfuseste; er ist voll verhaltenen Ingrimms gegen die Ps.An., die er nicht offen anzugreifen wagt, aber mit Anspielungen, wie »finanzielle Ausbeutung«, »theoret. Formalismus«, »sexuelles Bohren«, etc. bedenkt. Dabei kann er selbst nichts Positives bieten, resp.: was er bietet, ist unverdaute Ps.An. plus Widerstände. Im Gegensatz zu Bleuler, der abwechselnd sich ein Jahr lang pro, dann contra Ps.A. äußert, widerspricht sich Meyer in jedem zweiten Satz. Resultat: unwissenschaftliche Konfusion.