You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es ist sehr auffallend, dass die Neurotiker so oft vom Theater träumen und auf der Bühne als Schauspieler agieren. Viele Szenen aus der Vergangenheit werden hartnäckig immer wieder auf einer Schaubühne geträumt. Das Elternhaus als Theater ist ein häufiges Symbol. Besonders geeignet sind die Hoftheater und Stadttheater, das Elternhaus bildlich darzustellen. Damit ist die Erscheinung aber noch lange nicht aufgeklärt. Jeder Neurotiker ist tatsächlich ein Schauspieler und scheint sich dessen halb bewusst zu sein. Er spielt nämlich mit seinen neurotischen Symptomen eine gewisse Szene. Oft eine infantile Szene; aber auch ebenso häufig eine Phantasieszene, wobei er mit Hilfe der Identifizierung die verschiedensten Rollen, Mann und Frau, Vater und Sohn usw. darstellen kann. Freud hat das ja in seiner Psychoanalyse des hysterischen Anfalles (Beiträge zur Neurosenlehre II. Folge) sehr überzeugend dargestellt.
Ich will nun einige Beispiele (aus vielen) mitteilen, welche beweisen, wie sich der Neurotiker künstlich jene Szene schafft, die ihm Angst macht, die am meisten libidobesetzt erscheint, die eigentlich seine Krankheit ausmacht. Die meisten Angsthysteriker zeigen das Symptom des „Niehterreichens“. Die Strasse ist zu lang, der Weg zu gross, der Platz zu weit: er wird sein Ziel nicht erreichen. Oder die Zeit ist zu kurz, er wird zum Bahnhof nicht mehr zurecht kommen, der Zug wird ihm vor der Nase abfahren.
Forscht man weiter, so erfährt man, dass die Patienten sich diese Situationen künstlich schaffen. Sie stellen die Bedingungen für die gespielte Szene her. Als ob sie die Kulissen aufstellen würden, um die Täuschung zu ermöglichen. Einer meiner Angsthysteriker soll zu mir