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Von einem Kollegen wurde mir Herr N. B., als ein Fall von hysterischer Amnesie zur psychoanalytischen Behandlung überwiesen. N. B., ein Reisender, 32 Jahre alt, war in S. in seinem Hotel von den Bediensteten bewusstlos am Boden seinen Zimmers aufgefunden worden. Man telegraphierte nach seiner Frau, die zwei Tage nach dem Anfall eintraf. Aus der Bewusstlosigkeit hatte sich Herr N. B. bald erholt. Er war aber vollkommen desorientiert und sprach wirr. Er erkannte seine Gattin nicht. Erst nach zirka 10 Tagen wurde es ihm klar, dass seine Pflegerin seine Frau war. Er kam dann nach Wien. Ich sah ihn zirka 4 Wochen nach dem Anfall. Es bestand vor dem Anfall und die erste Zeit nach dem Anfall vollkommene Amnesie. Die Diagnose einer Neurose war nicht schwer zu stellen. Es bestand eine deutliche Angsthysterie infolge längere Zeit fortgesetztem Coitus interruptus und psychischer Konflikte in der Ehe. Der Mann litt schon längere Zeit an nervösen Magenschmerzen, gegen die selbst Morphium vollkommen wirkungslos war. Es ist dies ein wichtiges Symptom bei psychogenen Schmerzen. Die gebräuchlichsten schmerzlindernden Mittel versagen meistens oder wirken nur in grossen Dosen, wenn sie einen Rausch erzeugen. So ist der hysterische Kopfschmerz durch Pyramidon, Antipyrin usw. sehr selten zu beeinflussen.
Nun erfahre ich, dass der Kranke von einem Magenspezialisten Atropin erhalten hatte. Dies Mittel würde ihm bestimmt helfen. Er hatte das Atropin während der ganzen Reise, auch am Tage des Anfalls genommen. Daran erinnert er sich noch ganz genau. Von da an setzt die Amnesie aus.
Die Diagnose war nicht schwer: Es handelte sich um eine Atropinvergiftung, die eine solche wochenlang dauernde Verwirrtheit, selbst schwere psychische Zustände hervorzurufen vermag.
Ich lehnte die Psychoanalyse ab; der beschriebene Zustand klang selber in einer Woche ab.
Der zweite Fall ist noch wichtiger. Eine 34 jährige, schon 12 Jahre verheiratete Dame wurde wegen „psychogener Depression“ von einem Kollegen an mic