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„Jeder grosse Mensch bat eine rückwirkende Kraft: alle Geschiche wird um seinetwillen wieder auf die Wage gestellt und tausend Geheimnisse der Vergangenheit kriechen aus ihren Schlupfwinkeln — hinein in seine Sonne. Es ist gar nicht abzusehen, was alles einmal noch Geschichte sein wird. Die Vergangenheit ist vielleicht immer noch wesentlich unentdeckt! Es bedarf noch so vieler rückwirkender Kräfte!“
An dieses „Historia abscondita“ betitelte Aphorisma Nietzsches (Fröhliche Wissenschaft. Erstes Buch Nr. 34) musste ich denken, als ich das jüngste Werk Freuds gelesen. Aus einer kleinen Kindheitserinnerung des Leonardo, „ein Geier wäre zu ihm herabgekommen, habe mit dem Schwänze den Mund geöffnet und viele Male mit diesem Schwänze gegen die Lippen gestossen“ baut Freud ein kühnes — aber logisch sicher fundiertes Gebäude und macht uns die Individualität des Künstlers, seine Unfähigkeit ein Werk zu beenden, seinen rastlosen Forschertrieb, seine Kälte schönen Frauen gegenüber und seine Neigung zu wohlgestalteten Schülern verständlich.
Für den Psychoanalytiker enthält diese geistreiche Arbeit manche wertvolle Anregung. Zum ersten Male versucht Freud die Schicksale der infantilen Sexualforschung nach ihrer Verdrängung in Typen zu fassen. Er führt drei Ausgangsformen dieser Verdrängung an. 1. Die neurotische Hemmung. Die erworbene Denkschwäche leistet dem Ausbruch einer neurotischen Erkrankung Vorschub. 2. Die Umwandlung in Grübelzwang, wobei das Grübeln analog dem resultatlosen Ergebnis der Kinderforschung endlos ist und das entspannende Gefühl der gefundenen Lösuug nie anhält. 3. Die Sublimierung der sexuell infantilen Wissbegierde zu einem rastlosen Forschertrieb. Also Hemmung, Zwangsneurose und Forschung als die Endprodukte missglückter infantiler Sexualforschung.
Leonardo stellt uns den dritten Typus dar, Er wird durch eine überzärtliche Mutter ein Homosexueller. Er läuft Knaben nach, um Frauen davon zu laufen. Er identifiziert sich mit der Mutter und