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Aus der reichen Fülle der Sexualprobleme hat Hirschfeld eine bisher wenig beobachtete Form der Bisexualität herausgegriffen und in einer umfangreichen Arbeit zu erschöpfen versucht. „Transvestiten“ nennt er Menschen, „bei welchen ein heftiger Drang vorhanden ist, in der Verkleidung desjenigen Geschlechtes zu leben, dem die Betreffenden ihren Körperbau nach nicht angehören“. Die Tracht ihrer eigenen Geschlechtes empfinden sie als etwas Fremdes. Sie fühlen sich in ihr eingeengt, unfrei und gedrückt. Sehr zutreffend charakterisiert diese Empfindungen ein Transvestite: „Ich fühle mich in männlichei Kleidung wie vergewaltigt, und flüchte gewissermassen in meinem eigenen Ich umher, um aus dem Zustande herauszukommen. Erblicke ich mich aber im weiblichen Anzug, werde ich vollständig ruhig; der ganze Organismus funktioniert gleichmässig, es ist wie ein Ausruhen, wie ein Heimatsgefühl der ganzen Individualität in der Rolle der Frau.“ Ein andrer betont das Triebhafte des Verlangens, indem er meint, dass es wie Hunger und Durst Befriedigung heische.
Hirschfeld zeigt uns in seinen Krankengeschichten, die sich manchmal wie weltfremde Romane lesen, in welche unangenehme Konflikte dieser Verkleidungstrieb die „Transvestiten“ verwickelt. Die Mehrzahl führt ein eigenartiges Doppelleben. Tagsüber in dem Berufe und Geschäfte als Mann und abends im Heime als Frau und bei Frauen umgekehrt. Das Merkwürdige erscheint bei oberflächlicher Betrachtung die Beobachtung von Hirschfeld, dass es sich meist um Individuen handelt, die homosexuelle Empfindungen vollkommen leugnen. Zwischen dem Verkleidungstrieb und der Homosexualität bestünden nur … Beziehungen. Aber dieser Trieb sei ein Symptom einer selbständigen Varietät des Geschlechtslebens. Auf diese Voraussetzung baut Hirschfeld das Buch auf, indem er ausser den Krankengeschichten noch einen vollkommen erschöpfenden Überblick über die bisher bekannten, gewissermassen