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Unter den älteren Autoren, die das Problem der Hysterie beschäftigte, hat fast jeder das lügenhafte Wesen seiner Kranken hervorgehoben. Etwas zu stark fast, will mir scheinen, wenn ich aus meinem Material die Schlüsse ziehe. Immer steckt die deutliche Absicht dahinter, den Arzt zu demütigen,
sich über ihn zu erheben. Was regelmässig das Ende der psychoanalytischen Kur hinausschiebt, die Unerträglichkeit des Gedankens, der Arzt könne sich wichtig vorkommen, falls die Heilung gelingt, dringt auch vereinzelt während oder nach einer unvollendeten Kur durch, mit der gleichen Absicht, den Arzt herabzusetzen, zu blamieren. Dieses Gebaren gemahnt an den Helotenaufstand. Unter Menschen, die sich ebenbürtig fühlen, wäre eine derartige Gier, den anderen unterworfen zu sehen, ausgeschlossen. Aber dem Neurotiker wird, wie ich wiederholt auseinandergesetzt habe, jede Art von persönlicher Beziehung, eine zufällige Begegnung, das Leben in der Gesellschaft, eine Prüfung, das Verhältnis zu seinen Angehörigen, die Liebe zum Kampf. Kein Wunder, dass der Aggressionstrieb des Neurotikers in allen Fällen auch das Verhältnis zum Arzte erfasst und zu einem Kampf ausgestaltet. Dabei kann gelegentlich jede Art von Rancune zutage kommen, Unbotmässigkeit, Trotz Zurückhaltung, Vorwürfe gesuchter Art, hartnäckige Gegenüberstellung anderer Ärzte und ähnliches. Eine Form dieser Aggressionsstellung ist die Lüge,
Mancher Neurotiker kommt bereits in dieser Kampfstimmung zum Arzt. „Ich glaube ja nicht, dass ich geheilt werden kann, aber ich will es nochmals versuchen!“ So oder ähnlich lautet die liebenswürdige Form, in der sich zuweilen ein Patient einführt. Bei anderen Patienten wächst dieser Aggressionstrieb langsam aber stetig dem Arzt entgegen. Man erkennt unschwer, dass bei fortschreitender Besserung der neurotischen Symptome eine seit jeher bestandene Aggressionsstellung des Patienten gegen den Arzt gerichtet ist, wie vor