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Eine an Zwan gsneurose leidende Dame erzählt, sie habe plötzlich begonnen, ihren Namen zu hassen — und zwar ihren Zunamen. Sie konnte ihn nicht schreiben, nicht aussprechen, nicht lesen. Sie vermied, wo es nur anging ihren Namen zu unterschreiben. Sie wünschte sich, recht bald heiraten zu können. Dann würde sie ja einen neuen Namen erhalten.
Man könnte nun glauben, der Wunsch zu heiraten wäre das geheime und offene Motiv zu diesem Hasse gewesen. Dem war nicht so. Die Sache ging tiefer. Sie begann plötzlich an Zweifeln zu leiden, als sie erfahren, dass ihr Vater, den sie ungemein verehrt hatte, sich Unredlichkeiten hatte zu Schulden kommen lassen. Der Vater war gestorben und an Stelle des grossen Vermögens, das er verwaltet hatte, waren nur spärliche Trümmer geblieben. Auch erfuhr sie, dass er eine oder mehrere Geliebte besessen hatte, Ihre Liebe zum Vater verwandelte sich in Hass und Verachtung. Diese Verwandlung ging ganz unbewusst vor sich. Im Bewussten war er noch immer der hochverehrte, unvergleichliche Mann. In dieser Zeit des Schwankens zwischen Liebe und Hass begannen der Zweifel und die Zwangsvorstellungen. Der Hass gegen den Namen war der Hass gegen den Mann, der ihr den Namen gegeben hatte. Ein ähnliches Motiv habe ich bei Grillparzer nachgewiesen, der ebenfalls seinen Namen hasste. (Dichtung und Neurose. J. F. Bergmann 1909.)
Dr. Wilhelm Stekel.