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Ein dichterisch überaus fein motiviertes und technisch glänzend verwertetes Versprechen, welches wie das von Freud im Wallenstein aufgezeigte (Zur Psychopathologie des Alltagsleben, 2. Aufl., S. 48) verrät, dass die Dichter Mechanismus und Sinn dieser Fehlleistung wohl kennen und deren Verständnis auch beim Zuhörer voraussetzen, findet sich in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ (III. Aufzug, 2. Szene). Die durch den Willen ihres Vaters an die Wahl eines Gatten durch das
Los gefesselte Porzia ist bisher allen ihren unliebsamen Freiern durch das Glück des Zufalls entronnen. Da sie endlich in Bassanio den Bewerber gefunden hat, dem sie wirklich zugetan ist, muss sie fürchten, dass auch er das falsche Los ziehen werde. Sie möchte ihm nun am liebsten sagen, dass er auch in diesem Falle ihrer Liebe sicher sein könne, ist aber durch ihr Gelübde daran gehindert. In diesem inneren Zwiespalte lässt sie der Dichter zu dem willkommenen Freier sagen:
Ich bitt euch, wartet; ein, zwei Tage noch,Bevor ihr wagt: denn wählt ihr falsch, so büsseIch euern Umgang ein; darum verzieht.Ein Etwas sagt mir (doch es ist nicht Liebe),Ich möcht euch nicht verlieren; — — —— — — Ich könnt euch leitenZur rechten Wahl, dann brach ich meinen Eid;Das will ich nicht; so könnt ihr mich verfehlen.