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Kein Sittlichkeitsapostel im Sinne Sehers strebt Hessen nichts mehr an, als die Prostitution für die Gesundheit ungefährlich zu machen. Sie ist ihm eine der Formen, „in der sich der natürliche vom Weltwillen geforderte Verkehr zwischen Männern und Weibern tatsächlich heute vollzieht. „Eine Vorrichtung, die Gegenstand wohlwollender Fürsorge sein sollte, weil sie einem tiefen und ausgiebigen Bedürfnis entspricht. Moral und Hygiene befinden sich da in einem ungeheuren Gegensatz. Die Moral will das Menschliche meistern wie ein Spielzeug und hat so, die seltsame Idee geboren, 2/5 der reifen Männerwelt in Deutschland sexuell unter Wasser zu setzen, während nur die verheirateten anderen 3/5 atmen dürfen“. Er prägt den Satz: „Sage mir, welche Prostitution du hast, und ich will dir sagen, von welcher Art deine Menschlichkeit ist“. Die tiefe Stufe der Prostitution in Deutschland sei das ganz notwendige Korrelat zum Herrenmenschentum und ein Hohn für die Ansprüche auf Selbstachtung im niederen Volk.
Er versucht das Schicksal der Prostitution an vier Beispielen zu schildern, bespricht die verschiedenen Systeme, findet sehr vernünftige Worte gegen die sogenannten moralischen Prinzipien, in denen er die Gedankengänge der mittelalterlichen Askese wiederfindet. „Und zwar ist“, sagt er, „zwischen katholischen und protestantischen Zeloten kein rechter Unterschied zu bemerken“. „Die Abstinenzbewegung eröffnet den Oberbonzen und ihrem Anhang eine endlose Perspektive von Maulheldentum mit Besoldung, von Versammlungen, von Vereinen und Zweigvereinen mit Präsidenten, Sekretären, Drucksachen, Merkblättern, Redaktionen, Wanderpredigten, Kongressen, Ehrungen, Orden, Nachrufen, und vor allem plane man, wenn man die Behörden am Leitseil hat, Massnahmen“. — „Nur die arme deutsche Jugend hat es um nichts besser als vorher und vollends die weiblichen Opfer der Prostitution sind so übel dran wie nur je“. —
Zeigt der kritische Teil des Buches gesunden Menschenverstand, festen, freien Sinn, so versagt l