You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wissenschaftliche Fortschritte sind an drei Bedingungen geknüpft: Erfahrungen, kritische Fähigkeit und Beweglichkeit des Geistes, kraft deren es möglich wird, veraltete Standpunkte zu verlassen, neue zu gewinnen, Zusammenhänge zu bemerken und Tatsachen sowie Kräfte auf sich wirken zu lassen. Wer den vorliegenden stattlichen Band, der vom Verleger mit Liebe und Sorgfalt bedacht wurde, auf sich wirken lässt, wird gerne feststellen, dass wir Wulffen einen namhaften Fortschritt verdanken, sowohl in der psychologischen Analyse des Verbrechers als in der Verfolgung des Zusammenhanges von Sexualität, Triebleben und Verbrechen.
Eine Fülle von Studien und Erfahrungen sind in dem Werke Wulffens niedergelegt. Es beginnt breit mit einem Kapitel über Sexualbiologie, fasst Ergebnisse namhafter Autoren wie Häckel, Robert Müller, Bölsche, Mantegazza, Krafft-Ebing, Moll, Harelock Ellis, Magnus Hirschfeld, Freud, Forel, Rohleder und anderer zusammen und geht alle Grenzgebiete ab, um eine Weltanschauung zu begründen. Diese Weltanschauung prägt dem ganzen Buch den Charakter auf. Wulffen erörtert sie in einem Vorwort, in der Einführung und im Schlusswort. Er beginnt sein Buch mit folgenden Worten: „Wer die gesamten Lebenserscheinungen über den Kreis der Anthropologie und Biologie hinaus, vor allem die psychologischen, sozialen und ethischen, nicht auch vom Standpunkte der Sexualwissenschaft liebevoll zu betrachten gelernt, begreift sie nur halb, er sei auch wer er sei.“
Sein Standpunkt in der Kriminalpsychologie ist der Freudschen Schule geläufig: „Das Verbrechen ist verdrängte Sexualität und ein Äquivalent derselben.“ Freud, Gross und Stekel haben die gleiche Auffassung vorgelegt, worauf sich der Autor an entsprechender Stelle auch bezieht. Ausführungen über Sexualpsychologie und Charakterologie leiten zur Besprechung der Sexualpathologie über, in der die umfassende Kenntnis Wulffens inbezug auf psychiatrische und neurologische Fragen und sein Verständnis für den einschlägigen Sexualbeit