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1. Prof. S. Freud (Wien): Kasuistisches.
Der Vortragende macht an Hand eines analysierten Falles von schwerer Zwangsneurose einzelne Mitteilungen über die Genese und den feineren Mechanismus der seelischen Zwangsvorgänge. Insbesondere weist er zum ersten Mal auf das eigenartige Gefühls- und Triebleben der Zwangsneurotiker hin und hebt als den
häufigsten, ausgesprochensten und bedeutsamsten Charakter der Zwangsneurose ein chronisches Nebeneinander von Liebe und Haas gegen dieselben Personen hervor. Er gibt die Aufklärung, dass die Bedingung dieser befremdlichen Konstellation des Liebeslebens eine frühzeitig, in den prähistorischen Kindheitsjahren erfolgte Scheidung der beiden Gegensätze mit Verdrängung des einen Anteils, gewöhnlich des Hasses, zu sein scheine. In solchen Fällen von unbewusstem Hasse sei die sadistische Komponente der Liebe konstitutionell besonders stark entwickelt gewesen, habe darum eine vorzeitige und allzu gründliche Unterdrückung erfahren, und nun leiten sich die Phänomene der Zwangsneurose einerseits von der durch Reaktion in die Höhe getriebenen bewussten Zärtlichkeit, anderseits von dem im Unbewussten als Haas fortwirkenden Sadismus ab. Steht einer intensiven Liebe ein fast ebenso starker Haas bindend entgegen, so muss die nächste Folge eine partielle Willenslähmung sein. Damit ist die Herrschaft von Zwang und Zweifel, wie sie uns im Seelenleben der Zwangskranken entgegentreten, gegeben. Der Zweifel entspricht der inneren Wahrnehmung der Unentschlossenheit, der Zwang ist ein Versuch zur Kompensation des Zweifels und zur Korrektur der unerträglichen Hemmungszustände, von denen der Zweifel Zeugnis ablegt. Durch eine Art von Regression treten ferner vorbereitende Akte an die Stelle der endgültigen Entschliessung, das Denken ersetzt das Handeln und irgend eine Gedankenvorstufe der Tat setzt sich mit Zwangsgewalt durch anstatt der Ersatzhandlung. Diese Regression vom Handeln a