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Die geschlechtlichen Regungen beim Kinde verlaufen oft in verschleierter, auch in späterer Zeit kaum zum Bewusstsein kommender Form und werden ausserdem durch die heftigen erotischen Erschütterungen der reiferen Jahre meistens vollständig überdeckt; daher kommt es, dass bis jetzt nur wenig genaue Angaben zu diesem Thema vorliegen. Um so dankbarer müssen wir sein, wenn ein Dichter, wie Ganghofer in seinem „Lebenslauf eines Optimisten“ solch eine Episode aus seinem eigenen Leben nicht nur in allen Einzelheiten wiedergibt, sondern auch so weit wie möglich psychologisch zergliedert.
Die folgenden Zeilen geben die Stelle wieder:
„Noch eine andere Erinnerung reicht in mein viertes Lebensjahr zurück. Ich glaube, dass ich sie nicht übergehen darf. Denn sie hilft die Frage beantworten, in welchem Lebensalter die unbewussten Ahnungen des Blutes beginnen und die Kinderseele zum ersten Male berührt werden kann von jenem Ewigkeitsgeheimnis, das zwischen Männchen und Weibchen seine unsichtbaren, aber sicher bindenden Fäden spinnt.
Meine Eltern waren mit einer Familie befreundet, in der zwei Töchter von achtzehn und neunzehn Jahren das Haus mit Frohsinn und Lachen füllten. Diese Mädchen waren meine zwei anderen Mütterchen. Namentlich die Jüngere von den beiden, das Theresle, verhätschelte mich über Gebühr. Ich war viel in diesem Hause. Und einmal blieb ich über Nacht — ich weiss nicht, weshalb — vielleicht weil sich daheim bei den Eltern etwas ereignete, wobei man die zweijährigen Augen meines Schwesterchens noch nicht scheute, aber meine vierjährigen, immer in Neugier spähenden Gucker. Ich vermute das, weil mir aus jener Zeit ein Wort im Gedächtnis blieb, das irgend jemand über mich sprach: „Das Lausbüeble spitzt überall hin, wo's vorbeischaue sollt!“ Und damals wurde ja auch