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In seinem 1873 erschienenen Buche „Dreissig Jahre Praxis“ spricht Dr. H. L. Guttceit auch über die Psychogenese der Hysterie:
„Was man Hysterie genannt hat, ist nichts als die Reaktion des empfindlichen weiblichen Organismus auf deprimierende Gemütsaffekte. Einzig und allein solche sind die Ursache aller hysterischen Erscheinungen, so dass man immer und allenthalben, wo ein jüngeres Mädchen, eine Jungfrau, ein junges oder älteres Weib hysterische Anfälle haben, mit mathematischer Gewissheit überzeugt sein kann, dass ein deprimierender Affekt auf dieselbe einwirkt.“
„Die Natur dieser deprimierenden Einflüsse kann sehr verschieden sein. Schreck und Entsetzen, Eifersucht und gekränkte Eigenliebe, Trennung vom Geliebten oder zerstörte Liebeshoffnungen, ängstigende Besorgnis und Aussicht unvermeidlichen Unglücks können bei Weibern der verschiedensten Konstitution, des verschiedensten Klimas, der verschiedensten Gesellschaftssphären und Lebensweise, der verschiedensten Bildung und des verschiedensten Alters denselben Effekt — hysterische Anfälle — hervorrufen. Die von Gesundheit strotzende Bauerndirne und die Virago, das Mannweib, bleiben unter solchen Umständen ebensowenig von der Hysterie verschont, als die zarteste und schwächlichste Romanleserin im Samtsessel. Je empfänglicher für Eindrücke überhaupt der Charakter des Weibes ist, desto leichter äussert sich bei ihm die Folge der Gemütsbewegung als Hysterie. Bei schon geschwächten Organismen sind also nicht selten unbedeutende moralische Ursachen genügend, um dieselbe hervorzurufen.“
„Heftige Gemütsbewegungen angenehmer Art bringen keine hysterischen Zufälle beim Weibe hervor. Eine freudige Überraschung, eine unerwartete günstige Nachricht, ein mit Sehnsucht erwartetes Wiedersehen können das Weib — nicht selten auch den Mann — heftig rühren, zu Tränen und zum Schluchzen bringen: nie aber habe ich, selbst bei sehr nervenschwachen Weibern, einen hysterischen Anfall auf solche Ursachen eintreten sehen.“
Derselbe Autor hat auc