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Bleuler hatte 1906 in der psychiatrisch-neurologischen Wochenschrift in einem bemerkenswerten Aufsatze über die Freud'schen Mechanismen in der Symptomatologie von Psychosen dargetan, dass die Freud'schen Forschungen den Ausgangspunkt bilden, die Psyche von einer neuen Seite aus zu betrachten. Bleuler wies in bewusstem Anschlusse an Freud mit aller Entschiedenheit darauf hin, dass unsere Psyche die Tendenz hat, das Weltbild so umzuarbeiten, wie es unseren Wünschen und Bestrebungen entspricht. Damit ist also die Psychologie des Wünschens und Wollens in eine entscheidende und massgebende Stellung gerückt. In einer Zeit, wo die Forschungen Freud's und die Betrebungen seiner Anhänger mit höchster Leidenschaftlichkeit bekämpft werden, wo man in dem psychologischen Verfahren im Sinne Freud's, „eine geistige Vergewaltigung, eine moderne Foltermethode, auch eine grosse Gefahr für den Kranken“ erblickt, ich sage, in einer solchen Zeit wird es sicherlich am Platze sein, einiger Vorgänger Freud's zu gedenken und dies einerseits mit dem Gewinne, seine Erkenntnisse zu bereichern und zu vertiefen und andererseits, das angenehme Gefühl zu bekommen, in ganz guter Gesellschaft sich zu befinden. Ich habe ja wiederholt auf die grosse Bedeutung Schopenhauers hingewiesen und kann nicht angelegentlich genug das Studium seiner Hauptwerke empfehlen, da wir in ihm geradezu eine unerschöpfliche Schatzgrube von Erkenntnissen des normalen und entschieden auch anormalen Seelenlebens besitzen. Otto Rank hat ja in dem ersten Hefte unseres Zentralblattes die bekannte, tiefgründige Auffassung Schopenhauers über den Wahnsinn mitgeteilt. In der Tat, es ist ausserordentlich interessant, wie bereits der geniale Schopenhauer den Vorgang der Verdrängung und ihre Bedeutung für das Seelenleben erkannt hat. Ich glaube, dass es angebracht ist, auch noch hinsichtlich eines anderen Punktes, der nach unserer Auffassung von hervorragender Wichtigkeit ist, einige sehr interessante Stellen aus Schopenhauer anzuführ