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In dankenswerter Weise hat der bekannte Pädiater die Aufmerksamkeit seiner Fachkollegen auf eine bestimmte Form von Ernährungsneurosen des frühen Kindesalters gelenkt, die auf rein psychogenem Wege zustande kommt und nach seiner Erfahrung auf psychisch fixierten, beim Ernährungsakte zustande gekommenen Unlustgefühlen beruht. Ihre Hauptcharaktere sind: habituelles Erbrechen während oder nach der Nahrungsaufnahme, Abwehrreaktionen bei der Nahrungszufuhr und rückständige Entwickelung der Kaufähigkeit. Hochsinger unterscheidet zwei Gruppen von solchen Kindern: die einen, meist Erstgeborene, werden schon in den ersten Lebensmonaten aus Ängstlichkeit überfüttert, trotz ihres Sträubens zur Nahrungsaufnahme gezwungen, und dieses oft wiederholte unlustvolle Erlebnis soll dann jedem Nahrungsakte seinen Affekt leihen. Die andere, grössere Gruppe soll dieses folgenschwere psychische Trauma bei der Entwöhnung erleiden, wenn sie gewaltsam durchgesetzt wird. Diese Kinder machen um so grössere Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, je mannigfaltiger und fester allmählich die Kost wird, und schliesslich kann man recht wohl von einer funktionellen Kauunfähigkeit sprechen. In einem besonders krassen Falle reichten diese Erscheinungen bis in das achte Lebensjahr. Hochsinger sieht die Ursachen dieser Erscheinungen im „nervösen Milieu“, in der übertriebenen Ängstlichkeit gewisser untauglicher Pflegerinnen und warnt insbesondere davor, die Amme nach der Entwöhnung als Kinderpflegerin zu behalten. Drei von den fünf Kindern, auf deren Beobachtung sich der Vortragende stützt, waren leidenschaftliche Fingerlutscher, ein hübsches Beispiel für Alfred Adlers Thesen. Terminologie und ein ausdrücklicher Hinweis auf die Psychoanalyse zeigen, wie sehr der Vortragende von Freuds Arbeiten angeregt wurde. Das Problem ist in dem Aufsatze gewiss nicht erschöpft; dennoch dürfen wir uns seiner freuen.
Dr. Friedjung.