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Ich war jahrelang als Hausarzt Zeuge der Molimina einer angstneurotischen Frau, die nach intensiver Mädchen-Masturbation in der Ehe mit einem einwandfrei potenten Mann häufig beim Akt unbefriedigt blieb. Nachdem, wie so oft, auch die Frage als Gewissensfrage aufgeworfen worden war, ob die Hand des Mannes vor- oder nachhelfen dürfe, alle antikonzeptionellen Massnahmen sich als schwer erträglich abgelöst hatten, erzählte mir die Patientin — in der letzten Zeit wieder „nervöser“ — eines Tages folgenden kleinen ihr reizend erscheinenden Traum: Sie hätte heute Nacht das Schmuckkästchen aus ihrer Jugendzeit voll Freude wieder gehabt und auch im Kasten ihre Mädchenkleider hängen gesehen und darüber gestrichen. — Einige Wochen später überraschte sie mich damit, dass ihr der Frauenarzt gleichzeitig mit einer Uterusexkochleation auf ihren Wunscli eine Kolporaphie (Verkleinerung des Scheideneingangs durch Naht) vollzogen habe. Aus dem Sanatorium heimgekehrt, als Rekonvaleszentin das Sofa hütend, gab sie mir ohne Bezug auf früheres folgenden Traum zum Besten: „Heute nachts habe ich von Ihnen geträumt, dass ich Ihnen mein Schmuckkästchen zeige.“
Die Patientin ist nie in analytischer Behandlung gestanden; sie ist eine sehr lebhafte Träumerin (besonders der typischen Angstneurose-Träume) und steht zum Hausarzt in jenem auf teilweise freie Libido zurückzuführenden gesteigerten Anhänglichkeits- und Offenheitsbedürfnis so vieler Angstneurosen und -hysterien
Das Schmuckkästchen als Symbol des weiblichen Genitale ist ein geläufiges (vgl. Freud, „Traumdeutung“ und „Bruchstücke einer Hysterieanalyse“); dass die Patientin ihren durch keine Geburt entstellten Jugendschmuck wiederwünscht, den Wunsch mehr weniger unterdrückt; nach der Verjüngung dem ärztlichen Freund stolz (vielleicht auch vorwurfsvoll: „warum haben Sie mir nicht zur Operation geraten!?“) exhibitionistisch ihren Schmuck zeigen will, kann nicht bezweifelt werden. Ob die Kleider die Schamlippen bedeuten, lasse ich dahingestellt.