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Der Mittelpunkt aller Wissenschaft ist zweifellos der Menschengeist: Gleichzeitig ihr Medium und ihr Objekt. Die Psychologie „Lehre vom Geiste“, muss darum auch, will sie wirklich leisten was sie verspricht, im Zentrum aller Wissenschaften stehen. Jeder von ihr gefundene Satz muss nicht nur in einem, sondern in mehreren, voneinander weit abliegenden Gebieten anwendbar sein, um als richtig gelten zu können.
Die Psychologie des Unbewussten, wie sie von Freud gelehrt wird, darf sich rühmen, diese Prüfung glänzend bestanden zu haben. Von der Psychopathologie ausgehend hat sie sich in den verschiedensten Reichen der Wissenschaft Provinzen erobert: wir haben ihre Resultate auf Ästhetik wie auf Soziologie, Kriminalistik und Mythenlehre mit Erfolg anwenden gesehen. Für ihre Bedeutung auf philologischem Gebiete zeugt ein kürzlich erschienenes Werk: „Die Wortbildung als stilistisches Mittel, exemplifiziert an Rabelais“, von Dr. Leo Spitzer (Verlag von Max Niemayer, Halle a. S. 1910).
Nicht etwa, dass der Autor als Anhänger oder Verteidiger der Freudschen Lehre auftreten würde; ganz andere, rein philologische Ziele verfolgend, hat er gar keine Gelegenheit, sich über psychologische Fundamentalsätze zu äussern. Aber eben die Tatsache, dass der Philologe von seinen streng fachwissenschaftlichen Untersuchungen unwiderstehlich auf dies Gebiet gewiesen wurde, scheint mir bedeutungsvoll für den Wert und die Ausbreitung der Freud'schen Lehre zu sein.