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Der Autor gibt in zusammenfassender Darstellung einen Überblick über die Beziehungen zwischen Seelenleben und Sexualität, weist auf den ungeheuren Fortschritt hin, den die moderne Psychologie dadurch erreichte, dass sie, nicht mehr auf die Tatsachen des Bewusstseins sich beschränkend, das Gebiet des Unbewussten erschloss und sich zu dessen Erforschung anschickte. Unter den aus dem Unbewussten stammenden Trieben weist der Autor der Sexualität den sebührenden Platz an und schliesst mit einer kurzen Skizzierung der Freud sehen Lehren.
Bei dieser Knappheit der Darstellung war es wohl unvermeidlich, dass die Freud sehe Lehre in einigen Punkten eine Fassung erhielt, die leicht zu Missverständnissen führen könnte. So scheint uns z. B. die kurze Darstellung der infantilen Sexualität und der Sexualität der Pubertätszeit die missverständliche Auffassung zuzulassen, als ob Freud die infantile Sexualität als eine unbewusste der späteren Sexualität des Pubertätsalters als einer bewussten gegenüberstellen würde, während tatsächlich die infantile Erotik zunächst bewusst ist, erst allmählich verdrängt wird und zur Zeit der Pubertät allerdings bereits dem Unbewussten angehört, von wo aus sie teils verstärkend, teils hemmend die bewussten Sexualvorgänge beeinflusst.
Ein weiteres Bedenken erregt die Aufstellung, dass Asexuelle oder sexuell Anästhetische hinsichtlich der allgemeinen Forderung des offiziellen Moralkodex, der von allen die gleiche Sexualführung verlangt, im Vorteile seien. Das, was wir asexuell nennen, kommt ja nicht dadurch zustande, dass einzelne Menschen ohne Sexualität, oder mit einem Minimum davon, zur Welt kommen, sondern vielmehr dadurch, dass diese Menschen ihr Mass an Sexualität, das eventuell ein ganz bedeutendes sein kann, in andere Wege geleitet haben, sei es durch Sublimierung zu kulturellen Zwecken, sei es durch Verdrängung unter neurotischer Ersatzbildung. In keinem dieser Fälle kann von einer Vorzugsstellung gesprochen werden, denn im ersten Falle hat das I