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Eine wichtige Errungenschaft der biologischen Methoden überhaupt ist das Verständnis, dass zwischen Krankheit und Gesundheit kein prinzipieller Unterschied vorhanden sei und dass alle Lebenserscheinungen uns nur augenblickliche Zustände vor Augen legen, welche als Kette von Ursachen und Folgen aufgefasst, ein zwar immer wechselndes aber stetig einheitliches Ganzes darstellen. In diesem Sinne hat uns die Methode der Psychoanalyse, viel besser und viel deutlicher als die experimentelle Psychologie, alle verschiedene Etappen unseres geistigen Lebens miteinander verknüpft und zugleich gezeigt wie die Persönlichkeit einen Reiz zu ihrer Bildung und Stempelung in den verschiedenen Affekten findet, wie aber auch zu starke oder widrige Affekte zerstreute Bewusstseinzentren hervorrufen und somit die Persönlichkeit zersplittern. Das Postulat der originären Einheitlichkeit des Bewusstseins verliert hiemit seinen Halt und für den Psychotherapeuten ist statt dessen die Einheitlichkeit des Charakters Endzweck der Behandlung. Die Psychoanalyse hat ihre ersten Waffen im Felde des Pathologischen gespitzt, aber, wie oben erwähnt, das Krankhafte ist nur eine Über- oder Unterfunktion des Normalen und eine mit derselben Methode und mit denselben Regeln ausgeführte Introspektion des gesunden Geisteslebens gibt auch vorzügliche und ausgiebige Resultate. Einen eleganten Beitrag dazu lieferten einige kleine Publikationen unseres Meisters und Führers in der Psychoanalyse, ich meine Sigmund Freud's, welche unter dem Titel: „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ vereinigt sind. Und da er sich selbst und psychisch hochwertige Personen die in freundschaftlichem Verkehre mit ihm leben, in diesen Schriftchen untersucht und darstellt, so muss eben das Wort „Psychopathologie“ eine Einschränkung eingehen in dem Sinne, dass er alle momentane Schlacken der geistigen Tätigkeit wie das sich Vergreifen, das Vergessen oder manchen Aberglauben für pathologisch ansieht, was eben wissenchaftlich begründet is