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Ein dreissigjähriger, sehr intelligenter Mann zeigt neben andern Symptomen einer Zwangsneurose eine merkwürdige Störung des Schreibens. Er bleibt bei einem Worte stecken und frägt sich nun: Wie wird das geschrieben? Er ist immer über die Rechtschreibung im Zweifel. Er schreibt noch immer unorthographisch, etwa wie ein besserer Volksschüler. Auch die Form der Schrift zeigt den bekannten infantilen Typus mancher Neurotiker. Die Worte sind zerrissen, manchmal gibt es einige Buchstaben mehr, so dass man fast von einer Paragraphie sprechen könnte.
Die Analyse ergibt, dass der Kranke schon in den frühesten Schulzeiten die Buchstaben „sexualisiert“ hatte. Er hatte gewisse Lieblingsbuchstaben, besonders die runden, die ihm den Eindruck eines „Loches“ machten. Ebenso beschäftigten ihn die verschiedenen Häkchen, die Haar- und Schattenstriche mit einer oft wunderlichen Symbolik. Ein ähnlicher psychischer Mechanismus spielt auch beim Stottern eine grosse Rolle. Die Stotterer haben ebenfalls die Sprache sexualisiert und spielen mit den Buchstaben, dem Rasch- und Langsamsprechen, dem Steckenbleiben, dem Nichtkönnen usw. verschiedene Szenen mit der unermüdlichen Phantasie der Neurotiker, die ihren infantilen Lustquellen durchs ganze Leben nachlaufen.
In meinem Falle von Schreibstottern machte ich nun den Versuch, aus einem beliebigen Schriftstück einige Worte herauszusuchen, die falsch geschrieben waren und bei denen der Patient lange gezweifelt hatte, wie er sie eigentlich recht schreiben sollte.
Eines war uns sehr bald klar: Der Kranke war sich offenbar über den rechten Weg im Zweifel. Er hatte auch allen Grund, an seiner Rechtlichkeit zu zweifeln. Er stand auch mit seiner religiösen Überzeugung zwischen zwei Lagern, einem tief religiösen, fast zelotischen Vormund und einer freigeistigen sehr gebildeten Mutter. Auch in dieser Hinsicht gab es die quälendsten Zweifel und er hatte oft inbrünstig zu Gott gefleht, er möge ihm den rechten Weg weisen — und „seine Hand führen“. Er ist ein