You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In einer kleinen Mitteilung1) hat Freud jüngst einen besonderen Typus des männlichen Liebeslebens scharf charakterisiert, der sich in verschiedener Deutlichkeit bei solchen Personen findet, deren Libido lange Zeit hindurch an die Mutter fixiert war und denen es späterhin nicht gelungen ist, diesen ursprünglichen Typus ihrer Objektwahl gänzlich aufzugeben.
Es verrät sich dies im Liebesleben solcher Männer durch folgende bald mehr bald minder deutlich und vollzählig ausgeprägte Züge:
entwickeln diese Personen schon in der Pubertät eine auffällige Trennung des Sexualobjektes, einerseits in das hohe, reine Weib, das sie mit dem Sexualgenuss nicht in Verbindung zu bringen wagen, während sie auf der andern Seite nur das gemeine Weib (die Dirne) kennen, bei dem sie den Sexualgenuss suchen;
hängen sie ihren Geliebten mit grosser Treue an und kommen schwer von ihnen los, zeigen aber daneben eine Neigung, eine grosse Reihe von Liebesverhältnissen zu entwickeln;
interessieren sie sich nur für Frauen, die nicht frei sind und in irgend einer Form einem anderen angehören und die
einen sexuell schlechten Ruf haben;
haben sie das Bedürfnis, solche Frauen zu ihren Geliebten zu machen, um sie zu retten.
Diese zuletzt genannte Bedingung findet sich als Rettungsphantasie in den verschiedensten Einkleidungen und Variationen (Phantasie den Kaiser oder eine einflussreiche Persönlichkeit durch Rettung aus einer grossen Gefahr sich zu verpflichten) in ungeahnter Häufigkeit bei den Menschen, was vielleicht darin begründet sein mag, dass sie von den genannten Bedingungen am wenigsten Aussicht hat, auch nur in einer annähernd idealen Form realisiert zu werden2).