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Immer wieder reizt es die Psychiater, die wechselnden Erkenntnisse und noch mehr die wechselnde Nomenklatur ihrer Disziplin an Dichtern und Dichtwerken zu erproben. Nachdem ein Mann von der Denkkraft eines Moebius bahnbrechend gewesen, schiessen alljährlich Pathographien ins Kraut und psychiatrische Studien über dichterische Krankheitsbilder, von denen Weygandt an einer Stelle ganz richtig bemerkt: „Meines Erachtens spielt bei den Einwänden der Irrenärzte gegen die Krankheitsschilderungen des Dichters auch ein Stück Standeshochmut und Geheimniskrämerei mit, die den Versuch eines Laien, sich über Psychosen zu äussern, ablehnen möchten.“
Ich werde später soviel gegen diesen Autor sagen müssen, dass ich mit Vergnügen einen Satz voranstelle, in dem ich ihm vollkommen beipflichten kann. Er schlägt nämlich vor, statt „Pathographien“ lieber „Psychographien“ zu geben, „also eine Seelenanalyse und eine Schilderung vom Standpunkt des praktischen Psychologen“. Nur muss ich nach meiner Erfahrung widersprechen, wenn er als solchen gerade „den Psychiater bezeichnet, der sein Fach richtig und umfassend betreibt, nicht etwa nur als Behüter der schwer angegriffenen, anstaltsbedürftigen Irrsinnigen, sondern als Kenner aller von dem Durchschnitt und der Norm abweichenden Eigentümlichkeiten des menschlichen Seelenlebens“. Denn als solcher ist der moderne Psychiater mindestens der herrschenden Schule kaum zu bezeichnen. Man braucht nur zu lesen, dass Weygandt selber bei den verschiedensten Dichtern von Shakespeare bis Ibsen tadelnd herausstreicht, dass sie „zuviel Sinn im Wahnsinn wittern“, zuviel versteckte Bedeutung in die Äusserungen des Irrsinns einmischen. „Der Geisteskranke weist ja keine normale psychologische Motivierung auf“, meint er bei Besprechung von Goethes Orest und noch schärfer ein andermal, dass „bei Irrsinnsfällen überhaupt von einer psychologischen Motivierung nicht mehr die Rede sein könne“. So wird geschrieben, vier Jahre, nachdem ein Jung für die verbreitetste alle