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Dies ungemein gefällig ausgestattete Buch muss man als eine sehr willkommene Erscheinung begrüssen, denn es bringt sowohl für den Psychoanalytiker als auch für den Ethnologen als Sexualforscher mit allen Mitteln der philologischen Kritik ausgehobenes Material aus cntlegenen Schriftwerken, vor deren Lektüre wir eine Scheu hegen, schon wegen ihrer nur für den Germanisten leicht verständlichen altertümlichen Sprache. Hier liegen uns jedoch alle Stellen in unserer Schriftsprache vor. Es ist ein Fortschritt, dass sich ein Germanist auf das Studium von Erscheinungen verlegen mag, denen die offizielle Germanistik bisher mit Angstgefühlen und Ekel aus dem Weg ging. Die Germanistik erwuchs aus der Schule, so da die Jugend erziehen und auf die frommen Pfade der Tugend, Keuschheit und Sittlichkeit hingeleiten soll. Sie hat sich immer auch mit der heiligen Theologie sehr freundlich vertragen. Wie die klebt auch sie am gedruckten Wort und ist voll unbegrenzter Ehrfurcht für das Manuskript mit krausen Schriftzeichen und für das sogenannte Altertum, während sie für die Tatsachen des kräftig fortbestehenden Volkund Völkerlebens recht selten ein wirkliches Verständnis bekundet. Sie machte sich damit vom Zufall abhängig, ob sich irgendwo ein noch nicht gedrucktes oder besprochenes Manuskript vorfindet oder nicht.
Darin, dass Dr. Leonhardt als geschulter Germanist an das Thema herantrat, beruht einerseits sein Vorteil, andererseits sein Nachteil, der jedoch nicht so sehr auf seine Rechnung, als auf die der Methode der Germanistik zu setzen ist.
Nach der Auffassung Dr. Leonhardt's beginnen die Uranfänge der deutschen Dichtkunst mit den ersten zufälligen Niederschriften. Das ist die Schulmeinung, gegen deren Berechtigung er mittelbar selber anzukämpfen bemüssigt ist. Wir können richtiger sagen, von der Dichtkunst der Deutschen aus den Zeiten, wo man von den Römern die Schrift übernahm, seien uns recht spärliche Überreste erhalten geblieben.