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Die Dyschirie wird als ein Zustand definiert, in dem der Patient sich in bezug auf die Seite der Reizung beständig in Unkenntnis oder in Irrtum befindet, beides aber ganz unabhängig von jedem Defekt in der sensorischen Schärfe oder in der Lokalisationsfähigkeit. Auf diesen letzten Umstand wird ganz besonders Gewicht gelegt zur Unterscheidung von der Alloästhesie. An der Hand zweier sehr ausführlich beschriebenen Fälle von Dyschirie zeigt der Verfasser ihre Unabhängigkeit von allgemeinen Störungen der Sensibilität und betont den scharfen Gegensatz zwischen der anormalen „Seitenlage“ — Empfindung (Unfähigkeit, die Reizseite anzugeben oder Verlegung auf die entgegengesetzte Seite) und der Fähigkeit, über alle anderen Eigenschaften des Reizes richtig zu informieren. Dies weist auf hysterischen Ursprung hin, die Dyschirie ist eine Form psychologischer Disaggregation. Sie entsteht durch eine Störung der Assoziation zwischen gewissen, einzelne Körperteile betreffenden, psychischen Prozessen und dem normalerweise mit ihnen assoziierten „Seitigkeitsgef ühle“. (Von Jones „chirognostisches Gefühl“ genannt.) Der Patient ist für gewisse Erinnerungen eines Körperteiles amnestisch, ohne dass gleichzeitig die sinnlichen Empfindungen dieses Teiles aufgehoben sind. Der Ausfall wird durch einen unterdrückten Gefühlskomplex verursacht, den Freud als für hysterische Symptome charakteristisch nachgewiesen hat. — Der Autor behält sich vor, die Psycho-Analyse eines in der vorliegenden Schrift beschriebenen Falles zu veröffentlichen.
Gaston Rosenstein.