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Mit seiner bekannten Gründlichkeit und einer geradezu unheimlichen Belesenheit geht der Autor dem Hamletproblem auf den von Freud in der Traumdeutung vorgezeichneten Bahnen nach und kommt im wesentlichen zu denselben Ergebnissen: Hamlet kann sich zur rächenden, vom Geiste des Vaters geforderten Tat nicht entschliessen, weil er sich selber schuldig fühlt. Er liebt seine Mutter und hasste seinen Vater. Er müsste erst sich selber bestrafen, bevor er es wagen dürfte über andere Gericht zu halten, die nur das ausgeführt, wovon er heimlich geträumt hatte. Jones zeigt, wie mannigfaltig der Konflikt mit dem Vater und das Inzestmotiv in dem Drama verarbeitet ist. Polonius erscheint als zweite Ausgabe des Vaters, Laertes ist ein zweiter Hamlet. Diese Auffassung wird durch den Hinweis auf die neue von Freud inaugurierte Mythenforschung erweitert und durch mancherlei literarische Belege gestützt. Schliesslich wird Hamlet in dem Sinne, wie ich es in meiner Broschüre „Dichtung und Neurose“, die dem Polyhistor Jones doch entgangen zu sein scheint, als eine Form der Beichte, als ein Abreagieren unbewusster Konflikte, dargestellt. Gerade die subjektive Umarbeitung, die die alte Hamletsage durch Shakespeare erfahren hat, zeigt die Wichtigkeit dieses Standpunktes.
Wenn ich etwas vermisse, so ist es ein Hinweis auf die anderen Dramen Shakespeares, die wiederholt ein ähnliches Motiv behandeln. Der Kampf zwischen der Jugend und dem Alter erscheint mir das Kernproblem des grossen Britten. In vielen Dramen können wir am Schlüsse des Stückes eine Szene finden, in der ein junger Held einen alten überwindet. Prinz Eduard bringt König Johann als Gefangenen, Macbeth fällt durch Macduff, König Richard der Dritte durch den jungen Richmond, Claudius fällt und der junge Fortinbras wird König. der junge Heinrich tritt das Erbe des Alten an, um nur einige Beispiele zu nennen. Von der Gegenseite zeigt sich uns das Vaterproblem in Lear, als wäre es von Reue diktiert werden. In diesem Sinne bildet Hamlet