You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ludwig Laistner hat in seinem Werke „Das Rätsel der Sphinx; Grundzüge einer Mythengeschichte“1) schon vor etwa 20 Jahren an Hand eines grossen vergleichenden Sagenmaterials das Prinzip aufgestellt, dass die Sagen in ihrem Kern dem Traum entstammen und zwar dem Alptraum (Träume vom Alp, von der Mahre, dem Elb, der Drude, vom „Doggeli“). Der Glaube an die Heimsuchung durch elfische Dämonen, von welcher die Sagen berichten, sei nur durch die Alptraumerlebnisse zu erklären, die mit grosser Lebhaftigkeit auftreten und vom Träumer nach dem Erwachen oft nicht korrigiert werden. Das sei das Material, das von den Sagen in die epische Wirklichkeit übersetzt werde.
Der Anschluss der Mythologie an die Naturwissenschaften ergibt sich bei Laistner an dem Punkte, wo die mythologische Grunderscheinung, der Alp, gleichsam experimentell durch Hinderung der Atemtätigkeit und Sauerstoffzufuhr, hervorgerufen werden kann. Offenbar war es Laistner darum zu tun, für die mythologischen Gebilde eine sichere biologische Basis zu bauen.
Heutzutage können wir diese Basis wesentlich festigen. Wir wissen seit der Traumdeutung von Freud, dass auch die Reizträume, von denen die durch Atmungshindernisse erzeugten nur einen Spezialfall bilden, den allgemeinen Gesetzen des Unbewussten, wie sie in der „Traumdeutung“ niedergelegt sind, unterliegen. Der somatische Reiz liefert zwar Steinchen zur Traummosaik. Die gleiche Idee kann aber vom Künstler in Mosaik oder auf Leinwand in Öl dargestellt werden. Desgleichen tut die Psyche im Traum. Mit oder ohne somatische Reizverwertung bearbeitet sie die „Komplexe“ des Träumers.