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In der „Psychopathologie des Alltagslebens“1) hat Freud darauf hingewiesen, „dass das „Verlieren“ der Menschen in ungeahnter Ausdehnung Symptomhandlung und somit wenigstens einer geheimen Absicht des Verlustträgers willkommen ist. Es ist oft nur ein Ausdruck der geringen Schätzung des verlorenen Gegenstandes oder einer geheimen Abneigung gegen denselben oder gegen die Person, von der er etwa herstammt, oder die Verlustneigung hat sich auf diesen. Gegenstand durch symbolische Gedankenverbindung von anderen und bedeutsameren Objekten her übertragen. Das Verlieren wertvollerer Dinge dient mannigfachen Regungen zum Ausdruck, es soll entweder einen verdrängten Gedanken symbolisch darstellen, also eine Mahnung wiederholen, die man gerne überhören möchte, oder es soll — und dies vor allem anderen — den dunkeln Schickssalsmächten — Opfer bringen, deren Dienst auch unter uns noch nicht erloschen ist.“
Ein solcher Fall, der für das Verlieren eines Gegenstandes die reichliche Liste all dieser unbewussten Motivierungen erkennen lässt, erscheint mir seines besonders sinn- und aufschlussreichen Gefüges wegen mitteilenswert.
Ein ziemlich abergläubisches, sonst aber intelligentes und aufgeklärtes junges Mädchen erzählt mir das im folgenden nach ihrem eigenen Bericht geschilderte „merkwürdige Erlebnis“, dessen durchsichtige psychologische Struktur ihr selbst nicht entgangen war und dessen psychoanalytische Auflösung sie auf ein paar Andeutungen hin leicht zu ergänzen vermochte. Ihre Erzählung lautet:
„Ich ging Freitag abends mit meinem zu Besuch hier weilenden Bräutigam W. spazieren, dem ich natürlich den ganzen Abend zu widmen gedachte. Plötzlich fiel mir ein, ich müsste den Heimweg etwas früher als beabsichtigt war antreten, um noch eine zwar nicht dringende, aber schon tags zuvor vergeblich unternommene Besorgung zu machen. W. war zwar gegen diese programm-, und wie ich später einsah auch taktwidrige Verkürzung unseres Beisammenseins und suchte mich durch den Hinweis auf die ungünst