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Obwohl im allgemeinen kein Zweifel darüber bestehen kann, dass Dichter und die ihnen zunächst stehenden Geister in Tiefen des Seelenlebens hinabzuleuchten vermögen, welchen jene Elementarsystematik, die gemeiniglich als Psychologie in wissenschaftlicher Behandlung gilt, gar nicht nahe zu treten wagt, so erscheint doch auf dem intrikaten Gebiet, welches Freud erschlossen hat, dem Gebiet der Verdrängung und der infantilen Sexualität, der Vorsprung dichterischer Anschauung nicht gerade gross; zumal wenn man die Unendlichkeit der Gestaltungen, darin diese Kräfte sich alltäglich betätigen, in Rechnung zieht. Es ist offenbar, dass auch bei den Denkern, welchen die Gabe des innern Schauens verliehen ist, an diesem Punkt entstellende Prozesse nur zu oft wirksam bleiben und durch parallel laufende künstlerische Motivierungen verdeckt werden. Um so bedeutungsvoller sind uns alle Äusserungen, welche dennoch, direkt oder indirekt, von dem unbefangenen Erschauen dieses Zusammenhangs zu berichten wissen. Vornehmlich aber muss es von Wert sein, wenn uns solches Material von einem Mörike geboten wird, der durchaus ein beschaulicher Poet und sicher ein mehr empfindender als reflektierender Kopf gewesen ist, in dem man kaum einen Sensitiven im modernen Sinn vermutet, ja der sogar nach dem Zeugnis seiner Zeitgenossen nicht einmal Menschenkenner im extensiven Sinn des Worts gewesen sein soll. Noch weiter steigert sich seine Bedeutung für uns dadurch, dass wir bei ihm nicht nur im Text verstreute Einzelbeobachtungen finden, sondern mehrfach geradezu den Keimfleck der Dichtungen für unseren Anschauungskreis in Anspruch nehmen können.
Ich zitiere zunächst einige kleinere Stellen.
Agnes, die Braut des Maler Nolten, erleidet durch Suggestion eine Zersetzung ihres Liebesempfinden. Der Wahn schädigt ihre Gesundheit und entfremdet sie ihrer nächsten Umgebung. Schliesslich entlockt ihr ein Arzt das Bekenntnis des Zusammenhangs. „Hierbei musste es für den aufmerksamen Beobachter solcher abnormer Z