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Die verbreitetste aller Komponenten des Geschlechlstriebes, die wir Perversitäten nennen, ist sicherlich der Exhibitionismus. Man kann ruhig behaupten, dass alle Menschen exhibitionistische Züge verraten, wenn man die durch die Verdrängung entstandene Umwertung in Scham, Scheu und Verhüllung auch in Rechnung stellt. Der Trieb zur Entblössung ist angeboren und muss durch Erziehung unterdrückt werden. Er ist eines der ersten Opfer, das die Einfügung in die Kultur fordert. Deshalb entspricht der Exhibitionismus immer einem stark ausgeprägten „psychischen Infantilismus“ und gerade jener Typus, den ich in meinem Buche „Die Sprache des Traumes“ („Aminenträume“ XXIV. Kapitel) als „ewigen Säugling“ bezeichnet habe, zeigt diese Exhibition in besonders klarer und verräterischer Weise. Diese Kranken benützen ihre Hilflosigkeit, um sich von der Warteperson, die meistens die Mutter, eine Schwester oder Tante ist, allerlei Dienste leisten zu lassen, bei denen sie sich entblössen können. Der Kranke wird ja zum Kinde, was ja durch die Tatsache anerkannt wird, dass die Krankenpflegerinnen, die sehr bezeichnend „Schwestern“ heissen, ohne Rücksicht auf die Geschlechtlichkeit ihre Dienste der Barmherzigkeit verrichten.
Eine andere Wurzel des Exhibitionismus scheint mir jedoch noch wichtiger zu sein. Um es rund heraus zu sagen: Der Exhibitionist glaubt an die Unwiderstehlichkeit und Zauberge walt seiner körperlichen Reize. Damit verrät sich der Exhibitionismus als eine bestimmte Form des Narzissismus. Er ist der Durchbruch der starken Eigenliebe und eine Projektion der subjektiven Werturteile auf die Umgebung. Diese Überschätzung der eigenen Reize dürfte eine allgemein gültige seelische Erscheinung sein und bezieht sich entweder auf den ganzen Organismus oder nur auf einzelne Teile, was möglicherweise eine wichtige Wurzel des Fetischismus darstellt und einer eingehenden Untersuchung würdig wäre. Diese Überschätzung wird nach der Korrektur des eigenen Urteils durch die Umgebung und durch