You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Otto Rank macht in einem unlängst publiziertem Aufsatz1) auf ein schönes Beispiel aufmerksam, in welchem Shakespeare eine seiner Gestalten, die Portia, ein „Versprechen“ begehen lässt, durch welches ihre geheimen Gedanken einem aufmerksamen Hörer offenbar werden. Ich habe die Absicht, ein ähnliches Beispiel aus „The Egoist“, dem Meisterwerke des grössten englischen Romanschriftstellers, George Meredith, zu erzählen. Die Handlung des Romans ist kurz folgende: Sir Willoughby Patterne, ein von seinem Kreise sehr bewunderter Aristokrat, verlobt sich mit einer Miss Constantia Durham. Sie entdeckt in ihm einen intensiven Egoismus, den er jedoch vor der Welt geschickt verbirgt, und geht, um der Heirat zu entrinnen, mit einem Kapitän namens Oxford durch. Einige Jahre später verlobt er sich mit einer Miss Clara Middleton. Der grösste Teil des Buches ist nun mit der ausführlichen Beschreibung des Konfliktes erfüllt, der in Clara Middletons Seele entsteht, als sie in ihrem Verlobten denselben hervorstechenden Charakterzug entdeckt. Äussere Umstände und ihr Ehrbegriff fesseln sie an ihr gegebenes Wort, während ihr Bräutigam ihr immer verächtlicher erscheint. Teilweise macht sie Vernon Whitford, dessen Vetter und Sekretär (den sie zuletzt auch heiratet) zum Vertrauten. Er jedoch hält sich aus Loyalität Patterne gegenüber und aus anderen Motiven zurück.
In einem Monolog über ihren Kummer spricht Clara folgendermassen: „Wenn doch ein edler Mann mich sehen könnte wie ich bin und es nicht zu gering erachtete mir zu helfen! Oh! befreit zu werden aus diesem Kerker von Dornen und Gestrüpp. Ich kann mir allein meinen Weg nicht bahnen. Ich bin ein Feigling. Ein Fingerzeig2) — ich glaube er würde mich verändern. Zu einem Kameraden könnt ich fliehn, blutig zerrissen und umbraust von Verachtung und Geschrei…. Constantia begegnete einem Soldaten. Vielleicht betete sie und ihr Gebet ward erhört. Sie tat nicht recht. Aber, oh, wie lieb ich sie darum. Sein Name war Harry Oxford…. Sie schwankte n