You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nach einer klaren Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Simulation“ und einer an Beispielen erläuterten Definition derselben weist der Verfasser auf die auch in der Literatur durchgedrungene Anschauung hin, dass direkt beabsichtigte Simulation bei völlig Gesunden zu den grössten Seltenheiten gehöre und dass eine überzeugende Vortäuschung gewisser Krankheitssymptome in der Regel einen pathologischen Gemütsoder Geisteszustand voraussetze. Es wird dann aufmerksam gemacht, wie die Freud'sche Hysterielehre bei oberflächlicher Auffassung zur Annahme verleiten könne, dass die Hysteriker sich ihre für ihr praktisches Verhalten so bedeutungsvollen Symptome absichtlich schüfen, wenn man die wesentliche Tatsache des Unbewussten nicht gebührend würdige.
Es wird nun die Krankengeschichte eines fünfzehnjährigen Knaben erzählt, der auf Grund eines unbedeutenden Traumas (Schlag auf den Kopf), welches die schweren psychischen Folgen keineswegs rechtfertigte, in den folgenden zwei Monaten an Anfällen litt, die regelmässig alle zehn Tage wiederkehrten. In diesen benahm er sich in ausserordentlich törichter und kindischer Weise, etwa nach Art eines vierjährigen Buben. Unter anderem pflegte er seine Geschwister bald zu quälen, bald in stürmischer Weise zu liebkosen, zeigte eine kindische, gänzlich unbegründete Furcht vor dem Vater und verlangte von der Mutter, dass sie ihn wie ein Baby aufs Klosett begleiten und waschen sollte. Da er sowohl zu Hause als beim Arzte jede Antwort verweigerte oder in kindischer Weise auf Fragen reagierte, gestaltete sich die Psychoanalyse sehr schwierig. Doch liess sich mit Leichtigkeit nachweisen, dass der Junge, welcher zunächst jede Kenntnis des Sexuellen bestritt, sich über alle Vorgänge des ehelichen Lebens wohl informiert zeigte und selbst reichlich Sexualerfahrung hatte. Er wiederholte den bei Kindern nicht seltenen Mechanismus des Dummstellens, der bezweckt, die Erwachsenen über das Verständnis des Kindes zu täuschen und sich so zum Zeugen der elte