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Der Autor hat sich der Mühe unterzogen, die homosexuellen Züge im Leben grosser Männer und Frauen, soweit sie uns aus Überlieferungen bekannt sind, zusammenzustellen. Er hat es auch zustande gebracht, der Aufgabe innerhalb der Grenzen, die er sich gesteckt hatte, gerecht zu werden; es war ihm keineswegs um eine psychologische Erklärung der Homosexualität zu tun, er wollte nur Tatsachen bringen, soweit sie bekannt sind. Das grosse Material, das übersichtlich und sorgfältig zusammengestellt ist, sowie die vorzügliche Sachkenntnis der Materie, die sich in der überlegenen Durchführung des Themas zeigt, machen die Schrift äusserst lesenswert.
Der Verfasser hält daran fest, dass der homosexuelle Trieb selbst dort, wo er deutlich vorhanden ist, nicht zum Sexualakt führen muss, dass man aber berechtigt sei, leidenschaftliche Freundschaften, wie sie im reifen Lebensalter ganz unverdächtiger Männer vorkamen, doch als homosexuelle Züge zu bezeichnen. Er äussert sich auch über die häufige homosexuelle Phase im Pubertätsalter; will jedoch Männer mit solchem Entwickelungsgange, wofern sich diese Neigungen später verloren haben, nicht den Homosexuellen zuzählen.
Wir haben alle Ursache, dem Verfasser in diesem Punkte, soweit es sich um praktische Abgrenzung handelt, recht zu geben. Freilich müssen wir annehmen, dass die homosexuellen Neigungen auch in diesen Fällen nicht tatsächlich verschwunden, sondern der Umwandlung und Sublimierung zugeführt worden sind.
Dr. Radeck.