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27. Sitzung, am 19. April 1911: Richard Wagner, Versuch einer Deutung von Stucken's „Lanval“. Einleitend bemüht sich der Vortragende, die Anwendungsmöglichkeit der Psychoanalyse und ihre Grenzen bei der Deutung von Kunstwerken festzustellen. Stucken's Lanval erweist sich als ein günstiges Studienobjekt, da ihm die alte Lanvalsage zugrunde liegt, auf deren Deutung zunächst eingegangen wird. Die Sage ist nur ein Beispiel für einen ganzen Sagentypus, in dem es sich stets um die heimliche Verbindung eines Ritters mit einem feenhaften Wesen handelt, das von ihm für das Glück der Liebe strengstes Geheimnis verlangt und zu jeder Zeit und an jedem Ort, wo immer der Ritter will, erscheint. Überall aber wird der Ritter entweder durch Schmähungen oder durch übertriebene Verherrlichung anderer Frauen gereizt, das Geheimnis zu verraten und aufgefordert, die Geliebte bis zu einem bestimmten Termin zur Stelle zu bringen. Als die Fee dann nach kürzerem oder längerem Zögern erscheint, folgt ihr der Ritter nach der alten Insel der Seligen. Am heitersten und einfachsten spielt sich diese Handlung im Lai des Lanval von der Marie de France ab. Die Sage zeigt den Ödipuskomplex sehr deutlich auf. Dass die Königin Lanval ihre Liebe gesteht, ist nur die Verdrängung des bekannten infantilen Wunsches, ihre Anschuldigung und Verleumdung beim König die Objektivierung seiner geheimen Befürchtung, der Vater könnte etwas bemerken. Bemerkenswert ist die kritiklose Selbstverständlichkeit, mit der die Königin in all diesen Sagen als die Schönste zu gelten hat, neben der eine andere Frau überhaupt nicht in Betracht kommen darf. Der König ist in der Sage der ursprüngliche, strenge, rachsüchtige Vater, die Reaktionsbildung auf die geheimen, incestuösen Phantasien des Sohnes. — Einen zweiten Hauptkomplex sieht Ref. im Masturbationsprozess. Alle diese Fabelwesen der Sage (Elfen, Feen, Zwerge, Riesen, böse und gute Geister) sind unter einen gemeinsamen Hut zu bringen und gehören in den intimsten Zusammenha