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Die Frage nach den allgemeinen Ursachen des Selbstmordes soll hier nicht theoretisch erörtert werden1). Ich will dieses ausserordentlich wichtige Thema aus der psychischen Sozialhygiene vielmehr von einem Standpunkte betrachten, von dem die Erwägung eines planvollen Kampfes gegen dieses Übel der menschlichen Gesellschaft zur Aufstellung einer praktisch lösbaren Aufgabe führen könnte.
In allen Fällen, in denen uns die Einsicht in die Beweggründe eines versuchten oder ausgeführten Selbstmordes nicht versagt ist, finden wir, dass der Lebensüberdruss mit einem seelischen Konflikt gepaart erscheint, der mit den sozialen oder ökonomischen Verhältnissen (des Selbstmörders in keinem oder nur in einem losen Zusammenhang steht.
Bei der therapeutischen Behandlung der Psychoneurosen kommt der aufmerksame Arzt bald zur Würdigung und Anerkennung einer Art psychischen Geschehens, die sich unabhängig vom Bewusstsein des Kranken durchsetzt und die im Leben des kranken und des gesunden Menschen zu wesentlicher Wirksamkeit gelangt. Die Ereignisse in dieser unbewussten Schichte des Seelenlebens erscheinen wie aus einer fremden Seelenwelt, in der die Gesetze der bewussten Vernunft keine Geltung haben. Hier herrschen lediglich Gefühle und Emotionen, denen der Mensch den Zutritt zum Bewusstsein verwehrt, ohne ihnen jedoch die potentielle Energie der Wirksamkeit nehmen zu können. Das ist die Sphäre des Unbewussten in der menschlichen Psyche. Das Unbewusste ist das Reservoir für alle peinlichen, unangenehmen, verbotenen Regungen der Seele und es hat die Aufgabe, derartige Regungen gar nicht zum Bewusstsein kommen zu lassen und Regungen von gleicher Art in sich aufzunehmen, die schon einmal im Bewusstsein waren, wegen ihres störenden Verhaltens jedoch aus dem Bewusstsein verdrängt werden mussten. Jeder Mensch