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Die Analyse der Schreber'schen Selbstbiographie1) und die Untersuchung paranoischer Patienten2) stellte die entscheidende Rolle der meist mit Hilfe der Projektion abgewehrten Homosexualität in der Pathogenese dieser Psychose fest. Seitdem hatte ich eine Reihe von Paranoischen zu beobachten Gelegenheit und bei allen ohne Ausnahme musste ich die Krankheitssymptome als Folgeerscheinungen der zerstörten sozialen Sublimierung der Homosexualität deuten. Sie waren alle als Individuen anzusehen, deren Entwickelung vom Autoerotismus zur Objektliebe eine Störung erlitt, und die dann infolge infantiler „narzisstischer“ Fixierung und späterer akzidenteller Ursachen auf die homosexuelle Stufe zurückfielen, sich aber dieser mit ihrem Bewusstsein unverträglich gewordenen Perversion erwehren mussten.
Eine dieser Beobachtungen will ich hier nachholen.
Ein etwa 45 Jahre alter, immer nüchtern gewesener, schwäbischer Bauer3) wird mir als Verfolgungswahnsinniger vorgestellt. Er leide — so erzählt mir seine Frau — an der fixen Idee, dass jeder Mann, der sich ihm nähert, sein Feind sei, ihn vergiften möchte, mit den Fingern auf ihn zeige, ihn hänseln wolle. Wenn der Hahn im Hof kräht, wenn ein Fremder auf der Strasse an ihm vorbeigeht, so geschehe das immer seinetwegen.
Ich frage den Patienten, wie er sich mit seiner Frau verträgt — (ich wusste, dass Eifersuchtswahnideen nicht nur bei der Alkoholparanoia vorkommen). Er wie die Frau antworten einstimmig, dass diesbezüglich alles in Ordnung sei; sie hätten sich gern, hätten mehrere Kinder; allerdings enthalte sich Patient, seitdem er krank ist, vom Geschlechtsverkehr, aber das sei nur, weil er „andere Sorgen“ habe.
Ich frage weiter, ob er sich für die Gemeindeangelegenheiten interessiere und wenn ja: ob sich darin seit seiner Krankheit nichts geändert hätte. (Ich weiss nämlich aus Erfahrung, dass die später paranoisch werdenden, gleichwie die wirklich Homosexuellen, ein ungewöhnlich hohes Mass sozialen Interesses aufbringen und betätigen, diese