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In einer kürzlich erschienenen interessanten Monographie hat Sadger bei der Besprechung des Selbstmordes Heinrich v. Kleist's unsere Aufmerksamkeit auf mehrere wichtige Gedankengänge gelenkt, die die psychologische Motivierung des „gemeinsamen Sterbens“ betreffen. Da man in einem Fachjournal die Analyse freier und deshalb weiter fortsetzen kann als in einer auch für Laien bestimmten Schrift, will ich hier einige Bemerkungen zu zwei hierher gehörigen Themen, die Sadger — wie ich glaube, absichtlich — nicht berührt hat, ausführen.
Über die psychosexuelle Bedeutung des Todes im allgemeinen kann ich hinweggehen. Freud, Stekel u. a. haben die masochistischen Phantasien, mit welchen die Todesidee verknüpft wird, vollkommen beschrieben, und auch in Sadger's Monographie wird sie klar dargelegt Die gewöhnliche Todesvorstellung in der Mythologie und im Folklore, als die eines Geistes, der einen gewaltsam anfällt und fortnimmt, hat den gleichen Inhalt.
Die Frage, was das „gemeinsame“ Sterben bedeutet, ist jedenfalls komplizierter, da das Begehren danach mehrfach determiniert ist. Als oberflächlichstes Motiv tritt einem der Glaube an ein Jenseits entgegen, an einen Ort, wo alle, hienieden enttäuschten Hoffnungen in Erfüllung gehen sollen. Wir haben hier eine Ersatzbildung zu dem gleichen Zwecke, dem auch eine Neurose oder Psychose dient. Den Theologen ist es wohlbekannt, dass die tröstende Kraft dieses Glaubens um so grösser wird,