You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ein 28 jähr. Mann, den ich wegen schwerer Angsthysterie in psychoanalytische Behandlung bekam, gab mir spontan eine Reihe von Aufklärungen, die so allgemein interessant sind, dass ich sie hier nach meinem Stenogramm genau wiedergebe: „Bei der letztgeliebten Frau, an der ich am heissesten hing, hatte ich folgende Phantasie. Erst zog ich sie ein bisschen aus — ich hatte das Bedürfnis sie auszuziehen —dann trug ich sie ins Bett hinein — ich hatte ein unwiderstehliches Verlangen sie dort hinzutragen und zurechtzubetten. Ich habe nicht so sehr das rein Psychische des Aktes betont, sondern ich weiss, dass ich in der Phantasie vor ihrem Bette niederkniete, wie sie so lag, und sie zog mich dann in Dankbarkeit und heisser Verehrung zu sich empor. —Sehen Sie einmal von den wirklich handelnden Personen ab und sagen Sie mir: wer benimmt sich so, wie Sie mit dieser Frau? — Patient (eifrig): Die Mutter mit ihrem Kinde. Ich erinnere mich auch, meine Geliebte sehr gern mit dem Worte ‘Kind’ bezeichnet zu haben. Das tat ich immer bei idealer Liebe. Das Wörtchen ‘Kind’ ist mir der Inbegriff ausgesprochener Liebe geblieben. Richtig geliebt habe ich nur jenes letzte Weib, während ich alle anderen Male mich nicht so betätigen konnte, wie ich wollte. — Zur richtigen Liebe gehört, dass Sie sich so benehmen wie seinerzeit die Mutter Ihnen gegenüber. Sie müssen die Mutter spielen und die Geliebte behandeln können, wie Sie selber als Kind von der Mutter behandelt wurden. — Ja, ja, Sie haben ganz recht. Andererseits aber spielte die Geliebte, ohne es zu wissen, auch wieder die Mutter. Wenn ich jene besuchte, kam sie mir immer mit ausgebreiteten Armen entgegen. Von Muttern aber weiss ich, wenn meine jüngeren Geschwister ihre ersten Gehversuche machten, öffnete sie ihre Arme weit, um sie dergestalt zu sich zu locken. Ich vermute mit Grund, sie wird es bei mir auch nicht anders gemacht haben. — Die Geliebte erfüllte also Ihre spezifische Liebesbedingung, welche sie wieder