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Freud hat in seiner kleinen, aber inhaltsreichen Arbeit „Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens“ (Jahrbuch IL Bd. S. 390) einige Aufklärungen der typischen Rettungsphantasie gegeben. Jedes Kind spielt mit der Phantasie, seine Eltern zu „retten“. „Den Vater retten“ heisst eine alte Schuld, die Schenkung des Lebens, quitt zu machen. „Die Mutter retten“ hat aber eine andere Bedeutung, die aus den folgenden Worten Freud's ersichtlich ist: „Insbesondere in der Zusammensetzung mit dem Wasser lassen sich diese verschiedenen Phantasien des Rettens in Träumen und Phantasien deutlich erkennen. Wenn ein Mann eine Frau aus dem Wasser rettet, so heisst das: er macht sie zur Mutter, was nach den vorstehenden Erörterungen gleichsinnig ist dem Inhalte: er macht sie zu seiner Mutter. Wenn eine Frau einen anderen (ein Kind) aus dem Wasser rettet, so bekennt sie sich damit, wie die Königstochter in der Mosessage als seine Mutter, die ihn geboren hat.“
Diese Bedeutung des Rettungstraumes konnte ich in alle meine Analysen bestätigen. Aber die wunderbare Verdichtungsarbeit des Traumes macht es verständlich, dass sich das Symbol des Rettens in mehrfacher Determination durchsetzt. Auch bei dem Rettungssymbol erweist sich die „Bipolarität“ dadurch, dass neben der Bedeutung des Lebenschenkens auch die des Lebenraubens in Betracht zu ziehen ist. Mit anderen Worten: Einen retten, heisst auch einen töten.
Wir möchten diese Behauptung nicht aufstellen, ohne sie zu beweisen und beginnen daher mit der Analyse eines typischen Rettungstraumes.