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Der Verf. ist ein stiller, vornehmer Mensch und ein sehr feiner Denker. Obwohl er Professor der theoretischen Philosophie ist, hat er sich besonders praktischen Fragen zugewendet. Von seinen früheren Arbeiten betiteln sich die wichtigsten: „Intuition“, „Logik der Poesie“. Hier untersucht er mit grosser Schärfe die Grenze zwischen Empfindung und Gefühl in ähnlicher Weise wie z. B. Bleuler es in seiner Arbeit „Affektivität, Suggestibilität, Paranoia“ getan hat, und in diesem empirischen Teile kommt er zu ähnlichem Resultate wie dieser. Er zielt aber weiter und sucht eine Antwort auf die Fragen: Wo ist das Gefühl zu suchen? — Was ist ein Gefühl? Er schaltet zuerst die Auffassungen aus, welche das Gefühl mit den Kognitionsakten, die dem Gefühl vorangehen, verwechselt haben. Dann wendet er sich besonders scharf gegen Lange und James, welche das Gefühl in den Folgeerscheinungen des Gefühls, den „Nach-kognitionen“, gesucht und es mit diesen identifiziert haben. Die logische Folge wird aber, dass das Gefühl überhaupt nicht empirisch wahrgenommen werden kann. Das Gefühl ist dadurch in dieselbe Lage gekommen, wohin Kant das Ich der Apperzeption und Fichte den Willen führte: — wir müssen seine Existenz annehmen, obwohl wir ihn nicht wahrnehmen können. Denn wir können uns das Bewusstsein ohne Gefühl nicht denken. Wenn man abstraktionsweise versucht eine Vorstellung vom Gefühl zu befreien, findet man, dass die Vorstellung ihre Intensität verliert, und wenn eine vollständige Abstraktion gelänge, würde die Vorstellung auf hören zu existieren. — Es scheint mir, dass diese Auseinandersetzung auch für die medizinische Psychologie von Interesse sein kann, da die Frage von der Bedeutung des Gefühlslebens bei der Bildung krankhafter Vorstellungen so oft diskutiert wird.
Bjerre.