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Die neueste Arbeit des verdienten englischen Psychologen Havelock Ellis befasst sich mit dem Traum. Man nimmt das Buch in der Erwartung zur Hand, beachtenswerte Mitteilungen und Lehren darin zu finden. In der Tat weiss der Autor sein Thema mit bewährter Routine
und Vielseitigkeit zu behandeln, ja er überrascht manchmal durch höchst geistreiche Perspektiven (Völkerpsychologie etc.). Grundsätzlich Originelles bietet er freilich wenig. Er versteht es, die schon vorhandenen Erkenntnisse sowie auch die Theorien sehr hübsch zu verbinden und über das ganze Gebiet einen zusammenhängenden überblick zu verschaffen. Deshalb eignet sich sein Buch wie wenige andere Werke zur Einführung in das Gebiet der Traumforschung. Es ist nämlich zu gleicher Zeit reichhaltig, farblos und einigermassen skeptisch, so dass der Leser viele Meinungen kennen lernt, ohne zu dieser oder jener vorzugsweise hingeführt zu werden. Kann also einerseits das Buch dem gebildeten Publikum weitester Kreise vortreffliche Dienste leisten, so darf anderseits nicht verhehlt werden, dass der Fachmann daraus soviel wie gar nichts Neues wird lernen können. Ja er wird das Buch vielleicht sogar als einen; kleinen Rückschritt empfinden. Der gewissenhafte Havelock Ellis hat natürlich Freud und die Psychanalyse nicht übersehen. Er räumt den Entdeckungen des Wiener Psychopathologen, wie billig, einen beträchtlichen Raum in seinem Werke ein; leider hat er aber aus diesen Entdeckungen nicht ein Zehntel so viel Nutzen gezogen, als er aus ihnen hätte ziehen können. Immerhin ist Havelock Ellis seinen Grundtendenzen nach von der Freud'schen Schule nicht gerade weit entfernt. Seine übergrosse Bedächtigkeit scheint ihm jedoch hinderlich zu sein. Seine Ausführungen bleiben infolgedessen stark am Handgreiflichen' hängen und entfernen sich nur selten vom Deskriptiven. Das Bild wird dadurch allerdings etwas verschoben, und das tiefere Verständnis der Traumphänomene nicht immer gefördert. So wurde z. B. die Grenze zwischen latentem