You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Moll's Aufsatz ist vom Standpunkt der Psychologie der Gegner der Psychoanalyse interessant. Über den Wert der Assoziationstherapie werden wir uns nicht auszusprechen haben, die Zukunft soll entscheiden. Moll fängt seinen Aufsatz — Vortrag vor der Psychologischen Gesellschaft in Berlin — mit einer skizzenhaften Darstellung der Freud ‘schen Neurosenlehre an; die Wirkung der Psychoanalyse hat Verf. mangelhaft verstanden, „man wird sich nicht leicht vorstellen können, sagt er, wie durch eine solche Auflösung der Symptome, durch Auslösung eines Affektes eine Heilung so tief wurzelnder Störungen, . . . erreicht werden kann”. Diese Schilderung passt nur für die jetzt aufgegebene kathartische Methode; von der Entstehungsgeschichte der psychischen Symptome, ihrer geistigen Verarbeitung im Bewussten, speziell von der tiefgreifenden Wiedererziehung der Kranken in der Analyse wird kein Wort gesagt. Moll bestreitet nicht nur den therapeutischen Wert der Analyse, sondern er erhebt „ethische wie hygienische Bedenken” gegen die stundenlange und häufig wiederholte Befragung über sexuelle Dinge. „Jedenfalls hat Freud kein Recht, wenn einmal ein Erfolg erzielt worden ist, diesen auf die Psychoanalyse zurückzuführen”, die Suggestion ist allein schuld.
Es ist interessant zu sehen, wie Moll seinen kritischen Geist ruhen lässt, wenn er seine eigene Methode darstellt. Ref. meint, es wäre hier ebenso am Platze für Moll die Frage der ethischen Bedenken zu ventilieren, sich an die Wirkung der Suggestion zu erinnern. Moll untersucht seine Kranken eingehend auf sexuelle Phantasien, bis in die Details (wogegen Ref. selbst keine Bedenken erhebt; die ethische Empfindlichkeit Moll's verlässt ihn bei seinen eigenen Untersuchungen); er hat dabei die gewiss richtige Beobachtung gemacht, dass die Kranken nicht immer wissen, wo das Sexuelle versteckt ist1). Ein Standpunkt, den die Psychoanalytiker teilen, was ihnen von den Kollegen sehr übel genommen wird. — Verf. nennt seine Methode Assoziationstherapie