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Der Autor versucht die schwierige Frage der Unempfindlichkeit bei Frauen durch einigende Forschungen und Untersuchungen zu lösen. Mit Recht verweist er auf die enormen Schwierigkeiten, die sich der Erforschung sexueller Momente entgegenstellen. Die Frage der Verschiedenheit der Geschlechtsempfindung bei Mann und Weib wird eingehend erörtert und auf die Verschiedenheit der Wollustkurve bei beiden Geschlechtern hingewiesen. Beim Mann setzt der Orgasmus plötzlich ein, er schwillt lawinenartig an und klingt plötzlich ab. Beim Weibe kann man ein langsames Anschwellen und ein langsames Abklingen beobachten. Daran schliessen sich eine Reihe eingehender, fleissiger Beobachtungen. Das Buch ist reich an interessanten Gesichtspunkten und bringt viel Licht in ein dunkles Gebiet.
Freilich die nächste Auflage wird wieder einen grossen Fortschritt bedeuten. Denn der Verfasser hat sich mit der psychoanalytischen Methode befreundet und so dürften seine Untersuchungen über sexuelle Anästhesie erst die nötige Tiefe erhalten. Es fehlt dem Buche durchwegs die Rückführung der Anästhesie auf infantile Momente, wie er überhaupt über das Geschlechtsleben des Kindes irrtümliche Ansichten hat. Z. B.: „Erst mit der beginnenden Reife meldet sich das Geschlechtsgefühl.” Oder der sonderbare Satz: „Mangel jedes geschlechtlichen Triebes ist also in der Kinderzeit das Natürliche und Normale.” Auch glaubt Adler an ein Erlöschen des Geschlechtstriebes bei Frauen nach dem Klimakterium und meint, „dass die Wiederverheiratung lediglich aus sozialen Rücksichten geschehe”. Die den Sechzigern zueilende Matrone sei als ein erloschener Vulkan zu betrachten. Das stimmt keineswegs mit meinen Beobachtungen. Das Geschlechtsleben und Verlangen des Menschen beginnt mit dem Tage der Geburt und endet erst mit dem Tode. Falsch ist es auch, „dass der Geschlechtstrieb des Weibes mit der spezifischen Reifung seines Geschlechtsapparates, mit dem Einsetzen der Menstruation beginnt”.