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Saenger bemüht sich nachzuweisen, dass nervöse Atemnot und Herzbeschwerden ungemein häufig infolge von abnormer Reizbarkeit des Magens und Darmes reflektorisch entstehen. Bald sollen die Ingesta thermisch oder mechanisch oder wegen einer besonderen Idiosynkrasie des Kranken jene Störungen hervorrufen, bald wieder das Fehlen alimentärer Reize und die dadurch bedingte Anämie der Magenschleimhaut. Noch kurioser ist eine andere Ätiologie. Auch die exogenen mechanischen Reizwirkungen auf den Magendarmkanal sollen von grösster Bedeutung sein, wie — „Gehen oder Reiten durch Erschütterung der Baucheingeweide, die gebückte Körperhaltung, wodurch der Druck im Bauchraum gesteigert wird,” ja, schliesslich sogar „die horizontale Körperlage, welche eine andere Verteilung der Druckverhältnisse in diesem Raume bedingt”. Erwägt man diese Fülle von Ätiologie, so drängt sich die Erkenntnis auf, dass eigentlich Alles nervöse Atmungs- und Herzbeschwerden bei Disponierten hervorrufen kann und ihr Zustand schon darum trostlos wäre, weil jenen Ursachen kein Mensch mehr auszuweichen imstande ist. Wer die „abnorme funktionelle Reizbarkeit des Vagus und Sympathikus” besitzt, die nach Saenger jene Disposition verursacht, dem ist schliesslich nicht zu helfen. Denn gehen und liegen muss ja der Mensch, er kann doch nicht zeitlebens bloss stehen, und auch beim Essen kann jederzeit eine Idiosynkrasie auslösend eintreten. Unter solchen Umständen erscheint mir verwunderlich und doppelt auffallend, dass Saenger, dem jede Ätiologie schon recht ist, wenn sie nur Magen und Darm betrifft, mit keinem Wörtchen der längstbekannten sexuellen gedenkt, trotzdem ja Freud schon vor 15 Jahren die typische Angstneurose beschrieb mit ihren nervösen Atmungs- und Herzbeschwerden, eine Erkenntnis, die seitdem ganz allgemein, sogar von gegnerischer Seite zugegeben und therapeutisch benützt wird. Ich selber habe vor kurzem erst in diesen Blättern nachweisen können, dass das Asthma bronchiale eine Sexualneurose darstellt