You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Jahre 1895 erschien ohne Aufsehen zu erregen in Wien ein Buch, das „Studien über Hysterie” betitelt und gemeinsam von zwei Autoren, Dr. Josef Breuer und Dr. Sigmund Freud, verfasst war. Es fehlte an einem Publikum zur Aufnahme des Buches und so erweckte es nur schwache Aufmerksamkeit und fand wenig Käufer. In England blieb es fast vollständig unbekannt, so dass es dem Schreiber dieser Zeilen zur Genugtuung gereicht, daran erinnern zu können, dass wohl die erste vollständige Darlegung der in diesem Buche enthaltenen Grundanschauungen in englischer Sprache im ersten Bande seiner eigenen „Studien über Sexualpsychologie” im Jahre 1898 erschien. Und doch wurde mit diesen Studien über Hysterie, wie ein aufmerksamer Leser unschwer bemerken konnte, eine neue Seite in der medizinischen Psychologie aufgeschlagen, und diese neue Seite war von bestrickendem Interesse. Ein Fall von Hysterie war nun nicht länger ein Ding, das sich mit einem Lächeln der Verachtung als unwürdig der Aufmerksamkeit eines Arztes abtun liess, noch konnte er bloss durch genaue Beschreibung der physischen Symptome erledigt werden, wie es die Schule Charcot's getan hatte, zu welcher Schule Freud in seinen ersten Anfängen gerechnet werden kann. Er war ein Geheimnis, das man geduldig durchforschen musste, ein Geheimnis, dessen Schlüssel oft weit zurück und vergessen in der Geschichte des Patienten lag; und diese medizinische Geschichte gewann, wenn sie geschickt, mit Wissen und Einsicht benützt wurde, nicht bloss psychologische Bedeutung, sondern auch etwas von dem Interesse eines Romanes.
Die Priorität für die Erfassung der in jenem Buche enthaltenen Ideen und für die darauf aufgebaute Behandlung gebührt, wie Professor Freud anerkannt hat, dem älteren Autor Dr. Breuer. Nachdem er so den Weg gewiesen hatte, verschwindet Breuer von der psychoanalytischen Szene. Freud jedoch verfolgte, unabgeschreckt vom Ausbleiben aller Sympathie und Aufmerksamkeit, den so gewiesenen Weg; er erreichte stets neue Gesichtspu