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Die mantischen Künste, also jene Prozeduren, die man in früherer Zeit anwandte, um Aufschlüsse über zukünftige Geschicke zu erhalten, waren stets so beschaffen, dass neben der rein manuellen, nach irgend einer Regel ausgeführten Verrichtung auch dem von dieser Regel unabhängigen Zufall ein entscheidender Einfluss auf den Ausgang der mantischen Handlung eingeräumt wurde. Ja, die manuelle Verrichtung war gleichsam nur das Material, welches dem Zufall geboten wurde, damit er Gelegenheit habe, sich darin zu offenbaren. Indem ich hier den „Zufall” nenne, begehe ich eigentlich einen Fehler. Man erwartete ja nicht, dass das blinde Ohngefähr die Lose regieren solle. Da man die Weissagung den Göttern und Dämonen oder einer göttlichen Entzückung der Seele zuschrieb, hoffte man vielmehr dadurch, dass man unkontrollierten Einflüssen die Tür öffnete, eine überirdische Einwirkung ins Spiel zu bringen. Diese überirdische Macht lenkte — nach der alten Vorstellung, worauf die Mantik aufgebaut ist — die fallenden Lose, die fliegenden Vögel und Wolken, das pendelnde Metall, sie gab der stammelnden Pythia die Worte ein, brachte im glitzernden Kristall Visionen hervor usf.
Betrachten wir einige Arten der Mantik etwas näher. Zunächst die Geomantie oder Punktierkunst, die besonders in der Hexen- und Astrologenzeit des nachmittelalterlichen Europa im Schwange war. Man machte, ohne zu zählen, vier Reihen Punkte in den Sand (auf die Erde, daher „Geomantie”). Dann zählte man die Punkte ab und setzte in ein Diagramm für jede gerade Anzahl zwei, für jede ungerade einen Punkt. Nehmen wir an, ich hätte in den Sand zuerst 8, dann 11, dann 10, dann 14 Punkte gemacht, also zuerst eine gerade Anzahl, dann eine ungerade, und zweimal je eine gerade Anzahl. Ich muss also ins Diagramm eine Figur einzeichnen, die (von oben nach unten betrachtet) aus 2 + 1 + 2 + 2 Punkten besteht, wie Fig. 1 zeigt.
Die ganze Prozedur nehme ich viermal vor, erhalte also vier Figuren, die ich nebeneinander stelle. Sie heissen