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Religion und Medizin. Dr. Lilienstern1) erzählt von einer Reise um die Erde: „In Skutari bei Konstantinopel sah ich, wie islamitische Priester für das Wohl ihrer Anhänger ärztlich tätig sind. Eine mohammedanische Sekte, die der tanzenden Derwische, verbindet mit ihren Gebetübungen nämlich auch die Behandlung von Kranken und speziell von kranken Kindern. Ich wohnte einem Gottesdienst dieser Derwische bei. Die Übung bestand darin, dass deren 12–14 in einem Halbkreis um einen Scheikh herumstanden und, von einem Fuss auf den andern tretend, sich nach rechts und links neigend, in immer rascherem Tempo ihren einförmigen Gebetskanon (Lau elau-ha, Lau elau-ha, Lalla il Allah) im Chor skandierten. Sie erregten sich, je länger je mehr, durch ihre Bewegungen und erschienen zuletzt kongestioniert in Schweiss gebadet und erschöpft. Auf den psychiatrischen Beobachter machten die Männer den Eindruck von manisch, katatonisch oder hysterisch Erregten. Nach der Übung, die ungefähr 1½ Stunde dauerte und bei der sich die Erregung zuletzt ausserordentlich gesteigert hatte, wurden kranke Kinder hereingebracht, auf die der Scheikh sich mit einem, gelegentlich auch mit beiden Füssen stellte, um sie auf diese Weise von ihren Übeln zu befreien!
Auf der Rückfahrt nach Konstantinopel sprach ich mit zwei Fransiskanermönchen, die diese Krankheitsbehandlung der Mohammedaner als mittelalterlichen Aberglauben bezeichneten. Ich wies den Mönchen gegenüber darauf hin, dass doch in allen Religionen für Kranke gebetet werde und dass durch solche Gebete besonders bei erregten oder nervösen Kranken sicher auch eine gewisse Beruhigung erzielt werden könne. Die Heilungen von Lourdes seien mir unter diesem Gesichtspunkte immer bis zu einem gewissen Grade verständlich gewesen. Gegen diese meine Auffassung wandten die Mönche lebhaft protestierend ein, dass in Lourdes hauptsächlich Heilungen von Tuberkulose und nicht von nervösen Zuständen beobachtet werden und empfahlen mir zur besseren Orientierung die periodi