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„Wir verstehen unter tardiver Homosexualität — führt der Autor aus — das erst in den späteren Jahren auftretende oder erst dann klarer werdende homosexuelle Fühlen und Handeln, nach einer Periode reiner Heterosexualität oder einer Bisexualität mit Vorwiegen der heterosexuellen Komponente. Damit sind alle homosexuellen Handlungen bei heterosexuellem Sexualgefühl im späteren Alter eo ipso ausgeschlossen, also vor allem die sog. Wüstlingshomosexualität oder die Fälle, wo gleichgeschlechtliche Handlungen faute de mieux geschehen, Fälle, die man fälschlicherweise als solche „erworbener Homosexualität” bezeichnet, während sie nur der Pseudohomosexualität angehören.”
Diese „tardive Homosexualität” ist nach Näcke sehr selten und gehört zur Bisexualität; die meisten der spät auftretenden Fälle sind pseudohomosexuelle. Die Homosexualität sei angeboren und könne nicht durch Verführung, Onanie, Wüstlingsleben entstehen. Das beste Erkennungszeichen echter Homosexualität sei das Traumleben. Auch die Freud'sche Psychoanalyse könne keine sicheren Anhaltspunkte ergeben.
Demgegenüber wäre zu bemerken, dass die sogenannte tardive Form der Homosexualität gar nicht so selten ist. Es handelt sich in dem von Näcke publizierten Fall um einen Bisexuellen, der durch die Enttäuschungen des Lebens zu den infantilen Triebregungen zurückgekehrt ist (Regression Freud's). Der tardive Homosexuelle war eben immer ein Homosexueller oder besser ausgedrückt ein Bisexueller, denn es gibt überhaupt keinen Monosexualismus, wie uns unsere Homosexuellen in der Psychoanalyse belehrt haben. Schon einige Mal hat Näcke die Frage aufgeworfen, ob wir Analytiker überhaupt echte Homosexualität gesehen haben und kennen. „Ich möchte wissen, wie viel echte Homosexuelle Stekel, Sadger, Freud et tutti quanti gesehen haben!” Ich möchte Näcke diesbezüglich beruhigen. Wir sehen alle viele Homosexuelle und ich habe deren in Massen gesehen. Mehr als mir manchmal lieb war. Aber es kommt nicht darauf an. Non multa sed multum! Ic