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„Gross ist die Diana der Epheser”. Die alte Griechenstadt Ephesos in Kleinasien, um deren Ruinen sich gerade die österreichische archäologische Forschung verdient gemacht hat, war im Altertum vor allem berühmt durch ihren grossartigen, der Artemis (Diana) geweihten Tempel. Ionische Emigranten bemächtigten sich vielleicht im 8. Jahrhundert der längst von asiatischen Völkerstämmen bewohnten Stadt, fanden in ihr den Kult einer alten mütterlichen Gottheit vor, die möglicherweise den Namen Oupis trug, und identifizierten diese mit ihrer heimatlichen Gottheit Artemis. Nach dem Zeugnis der Ausgrabungen erhoben sich im Laufe der Jahrhunderte mehrere Tempelbauten auf derselben Stätte zu Ehren der Gottheit. Es war der vierte dieser Tempel, der im Jahre 356 in der Nacht, in welcher Alexander der Grosse geboren wurde, durch einen von dem wahnwitzigen Herostratos angestifteten Brand zugrunde ging. Er wurde herrlicher denn je wieder aufgebaut. Mit ihrem Getriebe von Priestern, Magiern, Wallfahrern, ihren Kaufläden, in denen Amulette, Andenken, Weihgeschenke feilgeboten wurden, konnte sich die Handelsgrossstadt Ephesos einem modernen Lourdes vergleichen.
Um das Jahr 54 unserer Zeitrechnung kam der Apostel Paulus zu mehr-jährigem Aufenthalt nach Ephesos. Er predigte, tat Wunder und gewann einen grossen Anhang im Volke. Von den Juden verfolgt und verklagt, trennte er sich ihnen ab und gründete eine unabhängige Christengemeinde. Unter der Ausbreitung seiner Lehre begann das Gewerbe der Goldschmiede zu leiden, die für die Gläubigen und Pilger aus aller Welt die Andenken an den Gnadenort, die kleinen Nachbildungen der Artemis und ihres Tempels fabriziert hatten1). Paulus war viel zu sehr starrer Jude, um die alte Gottheit unter anderem Namen neben seinem Gott fortbestehen zu lassen, sie umzutaufen, wie die jonischen Eroberer mit der Göttin Oupis verfahren hatten. Da musste es den frommen Handwerkern und Künstlern der Stadt um ihre Göttin wie um ihren Erwerb bange werden. Sie empörten si